Glanzvoller Tag für die Branche: In Bern wurden am Montag die Kulinarischen Meriten 2026 im Beisein von Bundespräsident Guy Parmelin verliehen. Unter den Preisträgern glänzen die beiden SBC-Mitglieder Christian Boillat (Confiserie Boillat, Saint-Prex/VD) und Paolo Loraschi (Confiserie Al Porto, Tenero/TI) als Meister ihres Handwerks.
Die jährliche Verleihung der Kulinarischen Meriten (Mérites Culinaires Suisse) in Bern markiert jeweils einen Höhepunkt im Schweizer Branchen-Kalender. Acht herausragende Fachleute, Küchenchefs und Konditoren-Confiseure, wurden geehrt. Die Jury stand unter dem Präsidium von Edgar Bovier, renommierter Küchenchef aus dem Waadtland. Besonders erfreulich aus Sicht der Bäckerei-Confiserie-Branche: Mit Christian Boillat und Paolo Loraschi wurden zwei Persönlichkeiten ausgezeichnet, die das Metier seit Jahrzehnten massgeblich prägen.
Christian Boillat: Ein Imperium der Qualität

Der gebürtige Jurassier Christian Boillat legte den Grundstein für seinen Erfolg 1997 in Saint-Prex. Was als Einmannbetrieb begann, hat sich unter seiner Führung zu einem «kleinen Imperium der Exzellenz» mit rund 100 Mitarbeitenden und sieben Standorten entwickelt. Die Jury würdigte insbesondere seine Standhaftigkeit und seine Weigerung, bei der Qualität der Produkte Kom-promisse einzugehen.
Die Nachricht erreichte Christian Boillat während des jährlichen Skitags der Branche. «Ich war hyper-glücklich, stolz und sehr, sehr gerührt. Es war eine riesige Überraschung für mich.» Dass er die Auszeichnung vom Bundespräsidenten Guy Parmelin entgegennehmen durfte – einem Waadt-
länder, wie er mit einem Schmunzeln betonte – stellt für ihn zusätzlich etwas Besonderes dar. Der Mérite Culinaire soll laut Jury kein Schlusspunkt, sondern ein Antrieb sein – so auch für Christian Boillat. Ein neues Projekt ist in der Planung. Panissimo wird darüber berichten …
Paolo Loraschi: Der Botschafter des Geschmacks

Im Tessin ist Paolo Loraschi untrennbar mit der renommierten Confiserie Al Porto verbunden. Seit über 35 Jahren prägt er als Maitre Créateur die Produktion des Hauses und setzt massgebliche Akzente in der Ausbildung junger Talente, u.a. als Experte für die WorldSkills. «Seine Kreationen zeichnen sich durch harmonische Aromen und erstklassige Rohstoffe aus», hält die Jury in ihrer Laudatio fest. «Paolo Loraschi – das ist eine Tessiner Geschichte!»
Auch für Loraschi war die Überraschung gross – «eine wunderbare Nachricht», wie er lachend gegenüber Panissimo erklärte. Diese prestigeträchtige Ehrung und die festliche Zeremonie seien für ihn «una spinta in più» – ein willkommener Motivationsschub. Der Preis markiert für den Tessiner Fachmann allerdings keineswegs ein Ausruhen im Erfolg: «Es ist kein Ankommen, sondern der Ansporn, kontinuierlich zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und sich zu steigern.» Diesen Tatendrang stellt er bereits unter Beweis: Als Co-Coach bereitet er Regula Baschung auf die WorldSkills vor, die vom 22. bis 27. September in Shanghai über die Bühne gehen werden.
«La Suisse gastronomique existe!»
In Anwesenheit von Bundespräsident Guy Parmelin wurde deutlich, dass herausragende Kulinarik untrennbar mit meisterhaftem Handwerk verbunden ist. «Ein Land ohne die Gastronomie ist wie ein Land ohne Seele», hielt er fest. Fachliches Können sei unverzichtbar, unterstrich er weiter und fügte hinzu: «Ein grosser Küchenchef ist nicht nur ein Künstler, sondern ebenso Ausbildner, Unternehmer und ein Botschafter seiner Region.» Der Vater dieser Auszeichnung und Direktor des Verbandes Promotion du Goût, Josef Zisyadis, kritisierte, dass «le savoir faire» mehr und mehr durch die industrielle Produktion und veränderte Lebensmittel verdrängt werde und er bekräftigte trotz allem: «Oui, la Suisse gastronomique existe!»
Die weiteren Preisträger 2026
- Mérite culinaire d’honneur (Ehrenauszeichnung): Claude Froté (ehemals Le Bocca, Saint-Blaise NE).
- Küchenchefs: Maryline Nozahic (La Table de Mary, Cheseaux-Noréaz VD); Julia Pfäffli (Wirtschaft zum Löwen, Bangerten BE); Didier de Courten (Grimentz-Zinal VS); Peter Schärer (Kronenhalle, Zürich).
- Konditoren-Confiseure: Stéphanie Mittler (Mammertsberg, Freidorf TG).
Claudia Vernocchi/Johann Ruppen
Fotos Johann Ruppen