Die bewegte Geschichte des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbandes SBC von 1885 bis in die Gegenwart ist nun digital erfasst worden und kann hier eingesehen werden.

Bis heute waren die prägenden Ereignisse und Entscheide in der Verbandsgeschichte in verschiedenen Jubiläumspublikationen, in alten «Panissimo»-Ausgaben und diversen Schriften verstreut festgehalten. Markus Tscherrig, jahrelanger SBC-Vizedirektor und heute Pensionär, hat stundenlang akribisch recherchiert sowie die vielen Jahrzahlen und Informationen übersichtlich zusammengefasst. Eine wertvolle Arbeit mit nachhaltiger Wirkung. Nachfolgend seine Gedanken dazu:

Markus Tscherrig
Markus Tscherrig, ehemaliger «Panissimo»Chefredaktor und SBC-Vizedirektor

Die Gründungsversammlungen erfolgten im Jahr 1885 bei den Bäckern und 1889 bei den Konditoren. Hauptmotive für den verbandlichen Zusammenschluss waren die Wahrung und Förderung der Berufsinteressen und die Pflege der Kollegialität unter den Berufsleuten. Von Anfang an fehlte es nicht an Turbulenzen und lebhaften Debatten, doch letztendlich hat sich stets die Erkenntnis durchgesetzt, dass man nur durch Solidarität und Gemeinschaftsgeist aller Mitglieder das Optimum für die Branche erreichen kann.



Besondere Bedeutung kam den beiden Berufsverbänden während den beiden Weltkriegen zu, als es galt, die Mitglieder in der Umsetzung der zahlreichen kriegswirtschaftlichen Vorschriften – unter anderem das Verbot des Verkaufs von frischem Brot – zu unterstützen.

Ein paar Müsterchen

Mit 125 Kilogramm pro Kopf resultierte im Jahr 1919 der höchste Brotkonsum, dies ist mehr als doppelt so viel wie heute! Im selben Jahr wurde der erste schweizerische Gesamtarbeitsvertrag der Branche abgeschlossen. Ein hoher Stellenwert wurde stets der Aus- und Weiterbildung beigemessen, was 1945 zur Eröffnung der Richemont Fachschule führte. Im Jahr 1948 verboten die Konditoren neu aufgenommenen Mitgliedern, zugleich einem anderen verwandten Berufsverband anzugehören, um berufs- und verbandsfremde Infiltrationen zu verhindern – aus heutiger Sicht völlig undenkbar!

Die ersten Logos der beiden Verbände: Bäcker-Konditoren und Konditoren (Confiseure).

Die erfolgreichste Tagesaktion der Bäcker startete am 6. Januar 1951 mit dem Brauch des Königskuchens. Die höchste Mitgliederzahl erreichte der SBKV 1953 mit 7880 angeschlossenen Bäckermeistern. 1961 wurde die erste Fachmesse für Bäckerei- und Konditoreibedarf (FBK) durchgeführt. Das heute noch die Handwerksbetriebe auszeichnende Signet «von ihrem Beck» wurde im Jahr 1976 geschaffen. Ein besonderer Höhepunkt war 1985 das 100-Jahr-Jubiläum des SBKV mit einem grossen Bäckerumzug durch die Zürcher Bahnhofstrasse und einer nationalen Leistungsschau an der Berner Ausstellung BEA.

Im Jahr 1990 wurde der erste Gesamtarbeitsvertrag für das Verkaufspersonal in Kraft gesetzt und 1996 die zweijährige Bäckerlehre zugunsten eines flexiblen dreijährigen Ausbildungsprogramms aufgehoben.

Spatenstich zur neuen Fachschule 1999

Weitere Meilensteine waren 2004 die erste Durchführung der «Swiss Bakery Trophy» mit über 1000 präsentierten Spezialitäten der handwerklichen Bäckerei-Konditorei-Confiserie und 2010 die erste «Schweizer Bäckernacht», in welcher die Backstuben für die Bevölkerung geöffnet wurden.

Beidseitiges Ja zur Fusion

Im Jahr 2012 wurde nach einem jahrelangen Hin und Her endlich die längst überfällige Fusion des SBKV mit dem SKCV beschlossen und per 1. Januar 2013 vollzogen. Bereits 1997 ist ein Zusammenarbeitsvertrag zwischen den beiden Verbänden in Kraft gesetzt und 2001 die Integration des Sekretariats des SKCV in den SBKV besiegelt worden. Dennoch schafften es Hardliner auf beiden Seiten, dass die Integrations-verhandlungen im 2003 vorläufig abgebrochen wurden. Erst im 2007 wurde der Zusammenarbeitsvertrag verlängert und die Dienstleistungspalette der SBKV-Institutionen den Mitgliedern des SKCV vollumfänglich zur Verfügung gestellt.

2012 – Fusion des SBKV mit dem SKCV. Die beiden Präsidenten Stefan Romang (links) und Kaspar Sutter.

Der Zusammenschluss unter dem neuen Dach «Schweizer Bäcker-Confiseure» darf als grosser Schritt in eine gemeinsame erfolgreiche Zukunft bezeichnet werden.

In jüngerer Zeit verdient die 2015 erfolgte Allgemeinverbindlicherklärung des Branchen-GAV Erwähnung. Im Jahr 2019 wurde mit dem Projekt «Reload» die Reorganisation des Verbandes mit dem Ziel der Optimierung der Prozesse an die Hand genommen. Noch in bester Erinnerung ist die Corona-Pandemie, welche vielen Betrieben einen erheblichen Umsatzverlust verursachte. Dank dem Engagement des Verbandes konnte immerhin erreicht werden, dass die Bäckereien-Confiserien während dem vom Bundesrat verhängten Lockdown geöffnet haben durften.

Heute sind nebst der Marktentwicklung mit immer mehr Anbietern von Brot und Backwaren der Fachkräftemangel, die Nachfolgeregelung und der finanzielle Druck – u.a. die massiv gestiegenen Energiekosten – die Hauptprobleme des Bäcker-Konditor-Confiseur-Gewerbes. Der Verband setzt sich unverändert dafür ein, den Mitgliedern mit einem umfassenden Dienstleistungsangebot und politischem Engagement zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen, um diese Herausforderungen bestmöglich meistern zu können.

Markus Tscherrig

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