Der Weg in die Backstube war für Magnus Baumgardt nicht direkt – aber vielleicht gerade deshalb der richtige. Schon als Kind faszinierten ihn Torten, Kuchen und Dekorationen. Trotzdem dauerte es Jahre, verschiedene Ausbildungen und einen Zivildiensteinsatz, bis aus dem frühen Interesse eine Lehre als Bäcker-Konditor wurde.
Ich habe mich schon immer fürs Backen interessiert, so langweilig das vielleicht klingen mag. Eine meiner frühesten Erinnerungen dazu: Als Kind «las» ich mit meiner Schwester ein Rezeptbuch für verschiedene Torten und Kuchen. Wir waren natürlich noch etwas zu klein, um die Anleitungen zu verstehen, und haben hauptsächlich die Bilder angeschaut, aber ich hätte Stunden damit verbringen können. Im Lauf der Zeit habe ich auch angefangen, selber gerne zu backen: entweder zu Anlässen wie Geburtstagen von Freunden oder auch einfach so, um ein neues Rezept auszuprobieren. Am meisten Spass hat mir dabei das Dekorieren gemacht.
Berufswahl
Später in der Schule, als es dann um die Berufswahl und Stellensuche ging, wusste ich also bereits, dass der Beruf Konditor oder Bäcker mich am meisten anspricht. Trotzdem habe ich mich nie auf eine Lehrstelle beworben. Ich wollte lieber weiter zur Schule gehen – was ich dann auch getan habe – aber die Idee war immer noch da, irgendwo im Hinterkopf.
Schlussendlich hat es allerdings noch weitere zehn Jahre gedauert, bis ich meine Lehre als Bäcker-Konditor in Bern begonnen habe. Nachdem ich mit der Fachmittelschule fertig war, habe ich zuerst ein Jahr als Praktikant bei einer Zeitung gearbeitet. 2020 habe ich mein Bachelorstudium in Mehrsprachiger Kommunikation an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) angefangen und drei Jahre später abgeschlossen. Zuerst habe ich nach Stellen in den Bereichen Untertiteln und Übersetzen gesucht, aber ohne Erfolg.
Kindheitstraum erfüllt
Ich wusste nicht genau, wie es für mich weitergehen sollte, und habe beschlossen, die Entscheidung eine Weile «aufzuschieben» und den Zivildienst an einem Stück zu machen, wofür ich aus dem Kanton Schaffhausen nach Bern gezogen bin.
Während meiner Zeit im Zivildienst konnte ich jeden Donnerstag mit einer Gruppe von Freiwilligen ein Mittagsmenü für etwa 30 Personen kochen. Dadurch habe ich gemerkt, dass es mir auch Freude macht, in der Küche zu stehen, wenn es nicht nur für mich selber oder meine Familie ist.
Gegen Ende meines Einsatzes war für mich klar, dass ich eine Lehre als Bäcker-Konditor machen möchte. Im Juni 2025 habe ich meine Ausbildung bei der Bäckerei Meyer in Bern begonnen und werde 2027 den Abschluss machen.
Kein Umweg war umsonst
Bereue ich es, dass ich die Lehre nicht schon früher gemacht habe? Nein, überhaupt nicht. Meiner Meinung nach waren die Jahre, die ich mit anderen Dingen verbracht habe, keine verschwendete Zeit. Ich habe vieles gelernt und herausgefunden, was genau mir bei der Arbeit Freude bereitet: Bewegung, Kreativität und vor allem Abwechslung. Auch habe ich gemerkt, was nichts für mich wäre: vor einem Bildschirm sitzen und grösstenteils alleine arbeiten.
Magnus Baumgardt
Foto: zvg