Mit Passion und Entschlossenheit erzählt Valentina Bubba von ihrem beruflichen Weg zwischen Herausforderungen, Hindernissen und mutigen Entscheidungen. Eine Reise aus Durchhaltewillen Kreativität und Liebe zu ihrem Beruf. Vor Kurzem hat sie einen weiteren Meilenstein erreicht: Die eidgenössische Berufsprüfung.
Mein Weg zu diesem Beruf verlief nicht geradlinig: Ich habe nicht den klassischen Pfad von der Sekundarschule zur Berufslehre gewählt. Obwohl ich schon immer eine grosse Leidenschaft für die Küche und vor allem für die Patisserie hatte, entschied ich mich zunächst für das Gymnasium. Anschliessend besuchte ich eineinhalb Jahre die ETH Zürich. Irgendwann wurde mir jedoch klar, dass ein so theoretischer und anspruchsvoller Bildungsweg nicht das war, was ich mir wirklich wünschte. Das Studium faszinierte mich zwar, aber ich spürte das Bedürfnis, die Hände in den Teig zu stecken, konkret etwas zu gestalten und nicht nur durch das Glas eines Mikroskops zu beobachten.
Ein neuer Weg
Aus diesem Grund beschloss ich, einen neuen Weg einzuschlagen und eine Ausbildung zur Konditor-Confiseurin zu beginnen. Am 1. August 2016 startete ich meine Ausbildung bei der Confiserie Al Porto in Tenero (TI). Leider erlitt ich nur eine Woche später auf dem Weg zur Arbeit einen schweren Unfall. Von einem Moment auf den andern stand meine Welt Kopf. Die Schwere meiner Verletzungen zwang mich dazu, mehrere Monate im Spital zu verbringen und danach lange Zeit an Krücken zu gehen. Alles hat sich verändert – ausser meine Leidenschaft für diesen Beruf. Trotz der Schwierigkeiten und dank der Unterstützung der Menschen, die mich lieben, gelang es mir, diese Zeit tiefer Not zu überwinden und meine Ausbildung abzuschliessen.
Weiter wachsen
Der Zeitpunkt war ungünstig: Nach Abschluss meiner Lehre im Jahr 2019 brach die Covid-19-Pandemie aus. In dieser Zeit war es nicht einfach zu entscheiden, welche Richtung ich einschlagen sollte. Ich arbeitete für kurze Zeit im Kanton Graubünden und begann gerade dort, mich zu fragen, was ich wirklich tun wollte und was ich tun könnte, um mich beruflich weiterzuentwickeln. Ich beschloss daher, ins Tessin zurückzukehren und zunächst einen Kurs über KMU zu belegen, der von der Handels-, Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungskammer des Kantons Tessin mit Sitz in Lugano organisiert wurde.
Anschliessend absolvierte ich an der Richemont Fachschule in Luzern die Berufsprüfung. Die grösste Schwierigkeit war sicherlich die Sprache: Obwohl die Prüfung auf Italienisch abgelegt werden konnte, waren alle Unterrichtsinhalte, das Lehrmaterial und die Vertiefungen auf Deutsch. Dies erforderte einen nicht unerheblichen Aufwand: Es galt nicht nur, die technischen Konzepte zu verinnerlichen, sondern sie auch zu übersetzen, gründlich zu verstehen und präzise wiederzugeben.
«DAS ERFORDERTE EINE NICHT GERINGE ANSTRENGUNG … SIE ZU ÜBERSETZEN, ZU VERSTEHEN UND PRÄZISE NEU ZU VERARBEITEN.»
Es war ein Weg, der grosse Konzentration, Opferbereitschaft und Entschlossenheit erforderte, wobei ich meine Hobbies zurückstellte und jede freie Minute dem Lernen und der Arbeit widmete. Doch auch diese Herausforderung hat mir ermöglicht, mich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln.
Selbständigkeit und kritisches Denken
Im Unternehmen kümmere ich mich gemeinsam mit Paolo Loraschi, dem Produktionsleiter und stellvertretenden Direktor der Confiserie Al Porto, um die Ausbildung der Lernenden. Mein Ziel ist es, die Jugendlichen auf ihrem Weg des Wachstums zu begleiten, damit sie nicht nur gute Fachkräfte werden, die bereit sind, sich der Arbeitswelt zu stellen, sondern echte Profis: Profis, die Arbeitsabläufe nicht nur um ihrer selbst willen ausführen, sondern in der Lage sind, sie zu verstehen, selbstständig zu arbeiten und kritisch zu denken.
Ich halte es für grundlegend, ihnen neben den technischen Fähigkeiten auch Verantwortungsbewusstsein, kritischen Geist und vor allem Leidenschaft für diesen Beruf zu vermitteln und sie zu ermutigen, sich nicht von ihren Ängsten einschränken zu lassen, sondern sich einzubringen und mutig in neue Abenteuer zu stürzen.
Erfahrungen und Kreativität
In meiner Freizeit male ich gerne, lese, koche neue Gerichte und tauche in die Natur ein. Dank dieser Erfahrungen habe ich gelernt, mich überraschen zu lassen und neue Abenteuer zu erleben, die es mir ermöglichen, unerwartete Geschmacksrichtungen zu entdecken, die oft auch eine Quelle der Inspiration für meine Arbeit sind. Ein Beispiel dafür ist die Kombination von Balsamico-Essig mit Himbeer-Ganache im Inneren des Praliné.
Allzu oft lassen wir uns von Vorurteilen leiten, ohne uns die Möglichkeit zu geben, uns von Kombinationen überraschen zu lassen, die auf unerwartete Weise den Gaumen erobern können. Kreativität ist ein wesentlicher Bestandteil meines Wesens, und mein persönliches Motto lautet: Es gibt keine Probleme, nur Lösungen.
Valentina Bubba
Foto: zvg