Die Berufe in der Produktion, Bäcker-Konditor/in und Konditor-Confiseur/in, sollen einer Totalrevision unterzogen werden. Der Zentralvorstand hat am 10. Dezember nach intensiver Diskussion für dieses Vorhaben mit grossem Mehr grünes Licht gegeben. Er hat allerdings einige Bedingungen damit verbunden.

Die letzte Totalrevision wurde vor rund 16 Jahren vollzogen. Seither gab es einige Teilrevisionen, nämlich 2014, 2016, 2018 und 2023. Die Diskussion im Zentralvorstand drehte sich um die Frage, ob es tatsächlich einer Totalrevision bedarf oder ob eine Teilrevision auch ausreichend wäre.

Korrekturmöglichkeiten ausgeschöpft

Peter Signer, SBC-Verantwortlicher Bildung Produktion, und Markus Zimmerli, stellvertretender Direktor der Richemont Fachschule, informierten über den Prozess der Fünf-Jahresüberprüfung, die mit runden Tischen und einem Treffen der Fachlehrer/innen 2023, diversen Umfragen in Betrieben und bei Lernenden sowie intensiver Diskussion mit der Schweizerische Kommission für Berufsentwicklung und Qualität (B&Q) der Produktionsberufe der Bäckerei-Konditorei-Confiserie durchgeführt wurde.

Sie vertraten vor dem ZV die klare Meinung, dass die Korrekturmöglichkeiten ausgeschöpft seien und zählten weitere Gründe auf, die für eine Totalrevision sprechen: Das Image der Berufe Bäcker-Konditor/in und Konditor-Confiseur/in hat in den letzten Jahren gelitten.

Die Zahl der Ausbildungsbetriebe nimmt seit Jahren stetig ab, ebenso diejenige der Lernenden. Häufig entsprechen die Betriebsstrukturen bzw. das Sortiment in den Ausbildungsbetrieben nicht mehr den QV-Anforderungen. Fazit: Die Branche plagen Nachwuchssorgen. Drei Kantone – Waadt, Wallis, Genf – beschreiten in der Berufsbildung neue Wege. Es bestehe die Gefahr, so Peter Signer, dass noch mehr Kantone ein eigenes Ausbildungsmodell entwickeln würden. «Je mehr Projekte gestartet werden, desto mehr verlieren wir die Übersicht, obwohl alle Beteiligten nur das Beste für unsere Berufe wollen», warnte er.

Fragen …

Die künftigen Herausforderungen seien viele, ebenso die Frage nach dem Wie: Welche Fachkräfte werden künftig in den Betrieben benötigt? Wie können Jugendliche motiviert werden, die Berufe in der Bäckerei-Confiserie-Branche auszuüben?

Wie kann der administrative Aufwand für die Ausbildungsbetriebe reduziert werden? Wie kann der Verband und die Richemont Fachschule die Ausbildungsbetriebe verstärkt unterstützen? Mit welchen Ausbildungsmodellen soll künftig gearbeitet werden? Ist das QV noch zeitgerecht? Wie können die handwerklichen Berufe mehr Ansehen in der Gesellschaft gewinnen (Titel des Berufs, Berufsmatura, Lohn etc.)?

CHF 35’000 pro Jahr

Die Kosten für eine Totalrevision sind nicht einfach zu berechnen. Dies hängt beispielsweise von der Grösse der Reformkommission, der Arbeitsgruppen und von der Anzahl Sitzungen ab, erklärte Markus Zimmerli. Je konstruktiver und zielorientierter gearbeitet werde, desto weniger finanzielle Mittel müssten aufgewendet werden. Die Kostenschätzungen belaufen sich auf rund CHF 230’000 über drei Jahre. Der Verband kann mit Subventionen vom Bund von CHF 138’000 rechnen. «Der SBC zahlt voraussichtlich CHF 35’000 pro Jahr», stellte Reto Fries, Direktor der Richemont Fachschule, fest.

Es wurde ebenfalls die Frage diskutiert, was die Folgen wären, wenn auf eine Totalrevision verzichtet werden würde. Die Branche würde noch mehr Ausbildungsbetriebe verlieren, befürchten die Fachleute. Der Verband würde am Markt vorbei ausbilden und das Image könnte nicht aufgewertet werden. Es würden noch mehr Kantone ihre eigenen Modelle entwickeln und die Suche nach Lernenden würde noch schwieriger. «Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir eine Totalrevision machen. Sonst werden wir irgendwann dazu gezwungen», stellte Peter Signer zusammenfassend fest. «Wir wollen zukunftsorientiert etwas auf die Beine stellen.»

Verschiedene Redner unterstützten Signer und Zimmerli. Es gab aber auch ZV-Mitglieder, welche die Notwendigkeit einer Totalrevision in Frage stellten und nur für eine Teilrevision, für Zwischenschritte, plädierten.

Bedingungen

Eine grosse Mehrheit stimmte zum Schluss der Diskussion einer Totalrevision zu, unter folgenden Bedingungen: Reduktion des administrativen Aufwands für die Ausbildungsbetriebe; keine Nivellierung der Ausbildung nach unten; regelmässiger Informationsfluss an den Zentralvorstand; Die Fachlehrer/innen sollen in die Pflicht genommen und näher zur Branche geführt werden; mit der Totalrevision soll auch eine Wertsteigerung der Ausbildung einhergehen; in der Reformkommission dürfen von Seiten des Verbandes maximal zehn Personen mitmachen.

Wie geht es weiter?

Es wird eine Reformkommission mit maximal zehn Personen (Delegierte vom SBC) geschaffen. Dazu kommen die obligatorischen Vertreter der Arbeitnehmenden, der Fachlehrervereinigung, der Kantone und des Bundes. Diese Mitglieder erstellen zusammen mit einer pädagogischen Begleitung eine fundierte Berufsfeld-Analyse. Der ganze Prozess soll drei bis vier Jahre dauern, vorausgesetzt es wird zielorientiert und konstruktiv gearbeitet. Der Zentralvorstand wird regelmässig informiert und kann, sollte ihm die angegebene Richtung nicht passen, entweder den Stoppknopf drücken oder die Arbeitsgruppe wieder an den Anfang der Arbeiten zurückschicken.

Claudia Vernocchi

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