Welches Lebensmittel diente einst dazu, Statuen an den königlichen Höfen zu gestalten, wurde als Heilmittel gegen die Pest eingesetzt, hat Europa dank des Kolonialhandels reich gemacht und weckt auch heute noch ein unwiderstehliches Verlangen?
Sie haben es erraten: Der Zucker. Warum lieben wir ihn so sehr? Das ist die Frage, die mich dazu bewogen hat, meinen Comic «Une insatiable envie de douceur» (Eine unstillbare Lust auf Süsses) zu zeichnen.
Alles begann, als ich aus gesundheitlichen Gründen drei Monate lang eine strenge Diät einhielt und fast alle Kohlenhydrate wegliess. Kein Kuchen mehr, aber auch kein Brot, keine Pizza und keine Teigwaren – eine harte Prüfung für eine Italienerin! Erst durch diesen Verzicht wurde mir klar, wie tief Zucker in unserem Alltag, unseren Erinnerungen und unseren Emotionen verwurzelt ist.
Einige Jahre später führte ich eine Untersuchung in Form eines Comics durch. In Bordeaux (F) erzählte mir ein Forscher von Experimenten, bei denen Ratten eine zuckerhaltige Lösung dem Kokain vorzogen. In der Dominikanischen Republik traf ich Arbeiter, die noch immer unter extrem schwierigen Bedingungen Zuckerrohr ernten, geprägt von einem nach wie vor präsenten kolonialen Erbe. Forscherinnen in den USA und Kanada erklärten mir die Mechanismen der Zuckersucht.
Doch diese Recherche hat mich vor allem zu mir selbst zurückgeführt: Warum suchen wir Trost in einer Kugel Glace? Warum stecken so viele Kindheitserinnerungen in den Kuchen unserer Grossmütter? Warum feiern wir eigentlich immer mit einer Torte oder einem Kuchen?
Am Ende ist es so, wie die Autorin Marion Woodman schrieb: «Der Heisshunger auf Zucker ist in Wahrheit eine Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit.»
Fiammetta Ghedini
Fiammetta Ghedini ist promovierte Kognitionswissenschaftlerin, Zeichnerin und Spezialistin für Wissenschaftskommunikation. Sie ist Mitgründerin und Creative Director von RIVA Illustrations, einer Agentur, die Zeichnungen gezielt für die Wissenschaftsvermittlung einsetzt.
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