Es ist selten der grosse Knall. Meist ist es der berühmte letzte Tropfen: die verspätete oder falsche Lieferung, die ungerechtfertigte Reklamation oder die nächste Preiserhöhung ohne Mehrwert. Jedes einzelne Ereignis lässt sich verkraften. Doch über die Jahre summieren sich diese kleinen Ärgernisse zu einer Belastung, die Zeit, Energie und Freude am Unternehmertum kostet.

Uns begegnet dieses Muster immer wieder. Nicht der eine grosse Konflikt, sondern viele kleine. Der berühmte Tropfen bringt das Fass nicht zum Überlaufen. Er zeigt lediglich, dass es längst voll war. Vielleicht lohnt es sich deshalb, sich regelmässig zu fragen: Welche Geschäftsbeziehungen tragen mein Unternehmen wirklich? Welche kosten vor allem Energie?

Das gilt für Lieferanten ebenso wie für Kundinnen und Kunden oder Verträge, die man aus Gewohnheit weiterführt. Solche Beziehungen sind bewusst zu hinterfragen. Nicht aus Trotz, sondern aus unternehmerischer Selbstachtung. Wer Grenzen setzt, einen Lieferanten wechselt oder sich von einem Vertrag löst, gewinnt oft mehr als er verliert: Erleichterung, neue Energie und Raum für Partnerschaften, die das Unternehmen wirklich weiterbringen.

Denn unternehmerische Selbstachtung zeigt sich nicht darin, wie viel wir aushalten. Sondern darin, worauf wir uns bewusst einlassen.

Roland Räber, ZV-Mitglied
Ressort Personen- und Sozialversicherungen und SBC-Treuhand

Foto: Franzisca Ellenberger

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