Verkäuferinnen und Verkäufer in Bäckereien-Confiserien prägen den ersten Eindruck und oft auch die Kundenbindung. Dennoch wird ihre strategische Rolle zwischen Produktion und Kundschaft noch immer unterschätzt. Ein Plädoyer von Cindy Guerreiro, Ausbildungsleiterin für den Verkauf an der Richemont Fachschule in Yverdon-les-Bains (VD).
Welcher Verkäufer oder welche Verkäuferin hat noch nie Sätze gehört wie: «Dank meinen Kreationen verdienst du dein Gehalt» oder «Derjenige, der produziert, hält das Unternehmen am Leben»? Doch genau wie die Bäcker und Bäckerinnen ihr Brot formen, formen die Verkäufer/innen den ersten Eindruck der Kundschaft, das Image des Unternehmens und oft auch die Treue. Beide Berufe nähren dasselbe Haus und ergänzen sich.
In artisanalen Bäckereien-Confiserien nehmen Verkäuferinnen und Verkäufer eine strategische Position zwischen Produktion und Kundschaft ein. Ihr Beitrag wird manchmal heruntergespielt, was sich auf die Motivation der Teams und das Einkaufserlebnis auswirkt. Angesichts sinkender Margen wird die Leistung am Point of Sale zu einer täglichen Herausforderung.
Ein Lächeln kommt nicht aus dem Ofen
Im Verkaufsraum zählt jede Geste: Begrüssung, Produktpräsentation, Zuhören, Argumentation, Bestellannahme, Reklamationsmanagement. Das Personal setzt handwerkliches Know-how in Kundenerfahrung um. Es erklärt die Herkunft der Produkte, berät, orientiert und passt seine Aussagen an jedes Profil an.

Ein anspruchsvoller Beruf
Kontinuierlichen Service gewährleisten, einwandfreies Auftreten zeigen, Spitzenzeiten bewältigen, vielfältige Anfragen beantworten, für manche Kund/innen die Rolle eines «Psychologen» übernehmen … All dies bei langen Arbeitszeiten und umfangreichen Aufgaben: Kassieren, Aufräumen, Reinigen, Bestellungen vorbereiten. Wenn Anerkennung fehlt, schwindet das Engagement. In einem Umfeld, in dem es schwierig ist, qualifiziertes und motiviertes Personal zu finden, wird die Stabilität der Verkaufsteams zu einer grossen Herausforderung.
In einem Markt, in dem sich das Angebot gleicht, macht die Beziehung den Unterschied. Eine Verkäuferin, welche die Gewohnheiten eines Kunden kennt, Neuheiten vorwegnimmt oder erklärt, schafft eine Bindung. Diese lässt sich nicht in der Produktion herstellen, aber sie ist entscheidend für den Erfolg des gesamten Unternehmens.
Den Beruf konkret aufwerten
Anerkennung zeigt sich nicht nur in der Entlöhnung. Einfache Massnahmen stärken die Motivation und den Zusammenhalt:
- Informationen teilen: Die Verkäufer/innen bei Neuheiten und Produktionseinschränkungen einbeziehen, dies stärkt ihre Legitimität;
- Feedback aus der Praxis fördern: Die täglichen Beobachtungen des Verkaufspersonals sind wertvoll, damit das Sortiment entsprechend angepasst werden kann;
- Die Rollen klären: Ein genaues Pflichtenheft wertet die Funktion auf und vermeidet Missverständnisse;
- Regelmässige Schulungen: Verkauf, Produkte, Umgang mit heiklen Situationen … Ein geschultes Team sorgt für mehr Kundenbindung und wertet das Angebot auf;
- Erfolge hervorheben: Kundenfeedbacks, erreichte Ziele, Anstieg des durchschnittlichen Warenkorbwerts kommunizieren;
- Eine gemeinsame Kultur fördern: Gegenseitige Einblicke ermöglichen es, die Herausforderungen des jeweils anderen besser zu verstehen;
- Eine gemeinsame Kultur auf einem gemeinsamen Ziel aufbauen: die Zufriedenheit der Kund/innen und den Fortbestand des Unternehmens.
Ein strategischer Hebel für die Zukunft
Die Aufwertung der Verkaufsfachleute ist nicht nur eine Frage des sozialen Klimas, sondern auch eine Frage der Leistung. Ein stabiles, geschultes und anerkanntes Team erhöht den durchschnittlichen Warenkorbwert, verbessert den Produktumsatz und stärkt das Qualitäts-Image. In einem wettbewerbsintensiven Markt zieht das Produkt Kund/innen an – aber die Beziehung sorgt für Bindung. Die Rolle der Verkäufer/innen voll anzuerkennen bedeutet zuzugeben, dass der Erfolg nicht nur auf dem beruht, was aus dem Ofen kommt, sondern auch auf denen, die es präsentieren und darüber erzählen.
Cindy Guerreiro Fernandes,
Richemont Fachschule, Yverdon-les-Bains (VD)
Fotos: zvg/künstliche Intelligenz