Bäckermeister Cretton setzt seit drei Jahren in seinem Betrieb (Cretton Patrick Boulangerie et Pâtisserie) in Martigny (VS) auf ein automatisches Bargeldsystem. Im Interview zieht er Bilanz über die Umstellung im Laden, die Reaktionen der Kundschaft, Investitionskosten und den täglichen Mehrwert für sein Verkaufsteam.

Wann begannen Sie, sich mit dem Thema Cash-Management zu beschäftigen?
Patrick Cretton: Als die Verkaufsleiterin vor fünf Jahren die Stelle wechselte. Damit fehlte meine Vertrauensperson im Laden, die den Kassenbestand verlässlich kontrolliert. Da sich meine Produktion im Nachbardorf befindet, kann ich nicht ständig vor Ort sein, um das Bargeld selbst im Auge zu behalten.

Wie viele Ihrer Kundinnen und Kunden bezahlen noch bar?
Das sind viele, sicher immer noch mehr als die Hälfte.

Wie sind sie das Projekt angegangen?
Ich liebe es, mit dem Motorrad zu reisen. Ich bin oft in Frankreich unterwegs und mir ist dabei aufgefallen, dass dieses Bargeld-System in den französischen Bäckereien und in den Läden ziemlich üblich ist. Auf meiner Recherche im Internet bin ich auf Glory gestossen.

Wie viel Zeit nimmt die Einführung in Anspruch?
Das geht schnell: Die Installation ist an einem einzigen Tag erledigt. Wichtig ist einfach, dass im Vorfeld alles gut koordiniert wird – der Geldwechsler, das Zahlungssystem und die Kasse. Das erfordert etwas Planung im Voraus, aber das Einrichten selbst dauert nur einen Tag.

Wie hoch waren die Investitionen?
Für meine kleine Bäckerei waren es grosse Investitionen. Die Höhe hängt allerdings von der jeweiligen Ausführung und den Anforderungen des Betriebs ab. Dazu kommen noch Kosten für den jährlichen Unterhalt von etwas über 1000 Franken.

Patrick Cretton


Es hat sich also gelohnt?
Ja, für uns standen weniger die Anschaffungskosten als vielmehr die Vorteile im Vordergrund: mehr Sicherheit, weniger administrativer Aufwand und eine effizientere Bargeldverarbeitung. Zudem lassen sich laufende Kosten und Aufwände rund um die Zahlungsabwicklung reduzieren. Und das zahlt sich definitiv aus!

Beschreiben Sie bitte für unsere Leserinnen und Leser, wie dieses Gerät funktioniert.
Das Gerät ersetzt die Hand einer Verkäuferin, aber nicht die Verkäuferin. Sie muss nicht mehr das Geld in die Hand nehmen. Der Kunde gibt sein Geld anstelle der Verkäuferin in eine Maschine. Er legt die Banknote in einen Schlitz oder das Münz in einen Behälter. Das Rückgeld wird umgehend ausbezahlt und er kann es aus einem anderen Behälter herausnehmen

Welches waren die Herausforderungen bei der Einführung dieses neuen Systems?
Es gab keine Herausforderungen, was das Technische betrifft. Die Zusammenarbeit mit Glory war sehr gut. Was ich allerdings massiv unterschätzt hatte, war die Reaktion der Kundinnen und Kunden.

Oh, beschreiben Sie uns bitte die Reaktion!
Das hat für viel Wirbel gesorgt und die Leute haben stark überreagiert. Ich war sehr erstaunt über die Reaktionen, die in beide Extreme gingen: Einerseits gab es die Neugierigen, die das System als etwas Praktisches positiv aufnahmen. Andererseits gab es Kritik, dass eine Maschine die Verkäuferinnen ersetze – das sei unzulässig und man würde nie mehr in unsere Bäckerei kommen.

Haben Sie Kundinnen und Kunden verloren oder sind sie wieder zurückgekehrt?
Wissen Sie: Diejenigen, die am lautesten poltern, kommen oft wieder und haben es schnell vergessen. Jede Veränderung bringt zuerst Unruhe. Es hat eine Weile zu reden gegeben, aber schlussendlich vergisst man es und lacht darüber. Und: Wir haben keine Stelle abgebaut. Die Verkäuferinnen erledigen immer noch die gleiche Arbeit.

Haben Sie kommunikativ etwas unternommen?
Nein nichts.

Vor allem Ihr Verkaufsteam musste sich mit den Reaktionen der Kundinnen und Kunden beschäftigen … Wie hat Ihr Personal auf die Änderung reagiert?
Ja, vor allem sie mussten das zu Beginn abfedern. Besonders für die etwas älteren Mitarbeiterinnen war es eine Umstellung. Auch weil ich fast gleichzeitig ein neues Kassensystem eingeführt habe, um Bestellungen direkt in die Backstube zu übermitteln. Das hat das Personal zuerst etwas verunsichert. Aber mittlerweile sind sie sehr froh darüber: Sie müssen das Geld an der Kasse nicht mehr händisch verwalten, der Kassensturz am Feierabend entfällt und die Verantwortung für etwaige Zählfehler ist weg.

Corinne D’Antonio, die am längsten im Betrieb tätige Mitarbeiterin, kommt vorbei. Wir nutzen die Gelegenheit und fragen sie direkt nach ihren Erfahrungen mit dem Kasstensystem Glory.

Wie waren Ihre Erfahrungen?
Corinne D’Antonio: Es ist sehr praktisch. Wir müssen uns nicht mehr um das Bargeld kümmern und fassen es auch nicht mehr an. Die Kundinnen und Kunden haben sich mittlerweile daran gewöhnt – bis auf wenige Ausnahmen … Zu Beginn brauchte es allerdings noch etwas Erklärungsarbeit.

Patrick Cretton (schmunzelnd): Ich denke, manche kommen sogar nur vorbei, um ein Brötchen zu kaufen und so ihr Münz am Automaten in Scheine zu wechseln…

Für Sie, Frau D’Antonio, war es sicher eine grosse Veränderung …
Ja, schon, denn ich bin noch vom alten Schlag. Aber es ist nicht allzu kompliziert, das geht schon.

Herr Cretton, würden Sie etwas anders machen?
Nein, ich würde es genau gleich wieder machen.

Welche Vorteile bringt das System?
Die Fehlbeträge am Ende eines Tages sind praktisch gleich null. Wenn Bargeld in der Abrechnung fehlt, ist es immer schwierig, die Ursache zu ermitteln: Handelt es sich um einen Rechenfehler oder gar um Diebstahl? Das führt zu unangenehmen Situationen. Und wie bereits erwähnt: Das Verkaufspersonal muss das schmutzige Münz und die Noten nicht mehr anfassen. Das war besonders während der Pandemie ein riesiger Pluspunkt – es ist schlicht viel hygienischer.

Gibt es auch Nachteile?
Nur, wenn es eine Störung gibt. Wie bei allen Maschinen, die ich in der Produktion habe, kann das vorkommen. Wenn das System ausfällt, ist das mühsam: Alles steht still und die Kundschaft muss warten. Deshalb habe ich für den Notfall weiterhin eine klassische Kassenschublade mit etwas Bargeld aufbewahrt.

Wie oft kommt das vor?
Ganz zu Beginn gab es noch Kinderkrankheiten. Die Fünffrankenstücke machten Probleme, weil es diese Münzgrösse auf europäischer Ebene so nicht gibt – sie waren schlicht zu gross. Aber der Kundendienst von Glory ist generell sehr reaktionsschnell: Man ruft an, sie suchen eine Lösung und kommen noch am selben Tag vorbei. Gefühlt passieren Störungen meistens am Wochenende – das ist wie beim Personal: Die Mitarbeitenden werden krank und die Maschinen fallen aus, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann!

Worauf gilt es zu achten?
Einzig, dass die Maschine genügend Wechselgeld enthält.

Wie war die Zusammenarbeit mit Glory?
Oh, sie ist gut. Wenn man sie ruft, kommen sie.

Welche Tipps geben Sie Interessierten?
Wer rein auf die Anschaffungskosten blickt, schreckt womöglich im ersten Moment zurück. Man muss das Thema jedoch ganzheitlich betrachten: Die gewonnene Sicherheit, die Hygiene und die fehlerfreie Abrechnung sprechen für sich. Mein Rat lautet daher: Nicht nur die reine Zahlenzahl sehen – es lohnt sich!

Text und Foto: Claudia Vernocchi/zvg


Cretton Patrick Boulangerie et Pâtisserie, Martigny (VS)

  • Seit 2006
  • Anzahl Angestellte: 15 Personen, 15 zu 100 %, 5 Teilzeit
  • Lernende: keine
  • Anzahl Verkaufsstellen: 1
  • Leaderprodukte: Holzofenbrote, insbesondere Baguettes
  • Lieferungen: ca. 50 % an Restaurants, Lebensmittelläden und Bäckereien

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