Seit Anfang Jahr leitet Céline Meyer die magenbrot-profi ag in Altbüron (LU) in vierter Generation und führt damit eine über 100-jährige Familiengeschichte weiter. Panissimo war zu Besuch: Ein Blick in die Vergangenheit, ins Hier und Jetzt sowie in die Zukunft.
Céline ist die drittälteste der vier Töchter des Ehepaars Rita und Hugo Meyer. In ihrer Kindheit drehte sich bereits alles um das Magenbrot. Früher wohnte die Familie nämlich im Produktionsgebäude. Die Mitarbeitenden assen in der Küche mit. Das Team war viel kleiner und die meisten stammten aus der Verwandtschaft.
Das alltägliche Brot
«Magenbrot war in unserer Kindheit fast ein bisschen unser alltägliches Brot. Es hat einfach dazugehört», erinnert sich Céline Meyer. In den Schulferien halfen die Kinder im Betrieb aus. Oder wenn es galt, einen grossen Auftrag zu erledigen, packte man mit an. Klein-Céline begleitete die Eltern auch zu Kundenbesuchen. Als Kind nehme man dies als selbstverständlich hin – als Erwachsene werde einem jedoch erst bewusst, wie zentral dieses Handwerk alles geprägt habe: Selbst bei den Familienessen gehe es – auch heute – irgendwann immer ums Magenbrot. «Wir sind 7 x 24 Stunden für unsere Kunden da», erklärt Céline Meyer.

Seit rund sechs Jahren arbeitet die frischgebackene Geschäftsfrau bei der magenbrot-profi ag in Altbüron mit. Die operative Leitung hat sie per Januar von ihren Eltern übernommen, der rechtliche Vollzug folgte Mitte 2026. Erst ab diesem Zeitpunkt startete auch die Kommunikation über den Wechsel an der Spitze. Ihr Vater wirkt nur noch beratend mit; die Mutter ist weiterhin im administrativen Bereich tätig und arbeitet derzeit ihren Nachfolger ein. Zwei Schwestern sind ebenfalls als Angestellte im Betrieb beschäftigt – eine im Büro, die zweite in der Produktion.
Sorgfältige Vorbereitung

Die Nachfolge wurde sorgfältig vorbereitet: Bereits vor rund sieben Jahren begann sich das Ehepaar Meyer, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. «Ideen waren da, aber nichts Konkretes», erinnert sich die Tochter. 2021 wurde nach anfänglichem Zögern der externe Berater Peter Strässle beigezogen. Heute bildet er gemeinsam mit der 34-jährigen Branchenfrau den Verwaltungsrat.
Ein intensiver, notwendiger Prozess
Die Begleitung bei solchen Prozessen sei absolut nötig, betont Céline Meyer. Als der Prozess gestartet wurde, war Vater Hugo bereits 65 Jahre alt und die Mutter 56. Die Vorarbeiten waren intensiv: Es musste eine Vielzahl an Daten geliefert und Unterlagen zusammengesucht werden. «Schlussendlich ist es immer ein Prozess mit Diskussionen – alle Beteiligten haben ihre Vorstellungen.» Auch die Schwestern seien etappenweise informiert und ihre Meinungen abgeholt worden. «Das beansprucht Zeit, denn die ganze Familie musste mit dem Vorgehen einverstanden sein.»
Als alles aufgegleist war, wurde Céline Meyer bewusst: «Plötzlich ist es nicht mehr das Geschäft meiner Eltern, sondern meines. Das löst schon etwas aus. Ich musste jeden einzelnen Schritt zuerst setzen lassen. Es tauchten Fragen auf, die besprochen werden mussten.» Da war sie froh, einen externen, neutralen Coach an ihrer Seite zu wissen.
War von Anfang an klar, dass sie den Betrieb übernehmen würde? «Meine Eltern haben nie Druck ausgeübt», betont Céline Meyer. Nach einer kaufmännischen Lehre und einer Weiterbildung an der Höheren Fachschule für Tourismus arbeitete sie bei Luzern Tourismus. Während der Pandemie lag diese Branche brach, weshalb sie ihren Einsatz im Familienbetrieb schrittweise erhöhte – bis sie sich schliesslich entschied, zu 100 % einzusteigen.
Ein zweites Standbein
Zuerst arbeitete Céline Meyer im Marketing und Verkauf. Denn auch bei der Magenbrot-Profi AG brach der Umsatz massiv ein, als in der Pandemie die Märkte und Chilbis ausfielen – 85 Prozent des Geschäfts brachen weg. Gemeinsam mit ihren Eltern begann sie, den Bereich Marketing und Verkauf gezielt auszubauen und so ein zweites Standbein zu schaffen.
Der Sektor Markthändler musste zu dieser Zeit nicht zusätzlich bespielt werden. Es galt das Marketingmaterial zu überarbeiten. Der Onlineshop wurde aktualisiert und die Webseite relaunched. Verstärkt rückten auch andere Traditionsprodukte in den Fokus – wie Biber, gebrannte Mandeln und Rahmtäfeli. Zu den neuen Kund/innen zählen heute Bäckereien, Käsereien und Delikatessgeschäfte. Die Strategie war erfolgreich: Dieses Segment mache mittlerweile rund 15 Prozent des Umsatzes aus, so Céline Meyer, inklusive der Online-Bestellungen von Privatkundschaft und des Verkaufs im sehr gut frequentierten Fabrikladen. Grossisten würden bewusst keine beliefert.

Magenbrot bleibt das Kernprodukt
Das Magenbrot bildet nach wie vor das Hauptstandbein. Der grösste Teil der Produktion wird an Markthändlerinnen und Markthändler in der Schweiz geliefert. Jährlich werden rund 250 Tonnen produziert. Bei den Confiserie-Produkten, wie gebrannte Mandeln, Rahmtäfeli, Biberfladen und ungefüllte Lebkuchen, beträgt die hergestellte Menge 90 Tonnen.
Das Unternehmen befindet sich in einem Umstrukturierungsprozess, «damit wir das ganze Jahr über einen hohen Dienstleistungs- und Qualitätsstandard einhalten können», unterstreicht Céline Meyer. Dabei wurde das Team in der Administration erweitert: Während Rita Meyer das Büro einst alleine führte, arbeiten dort mittlerweile sechs Personen.

Das Geschäft hat sich grundlegend verändert: Der administrative Aufwand hat zugenommen. Dies liege einerseits am erweiterten Kunden- und Produktspektrum, andererseits gebe es das früher typische «ruhige Halbjahr» nach der Herbst- und Wintersaison praktisch nicht mehr, hält die Jungunternehmerin fest. Zudem setzt der Betrieb heute gezielt auf Marketing und Verkauf sowie auf eine aktive Kommunikation über verschiedene Kanäle, unter anderem Social Media. Auch die Gesamtzahl der Mitarbeitenden ist gestiegen. Neben Familienmitgliedern unterstützen unter anderem auch mehrere Pensionierte den Betrieb sehr gerne als Aushilfen.
Jubiläum, Wertschätzung und neue Ideen
Als neue Inhaberin der magenbrot-profi AG ist Céline Meyer eine der Jüngsten im Betrieb. Das Team habe den Generationenwechsel und die Veränderungen bestens aufgenommen, schliesslich sei sie schon immer Teil der Firma gewesen, meint sie mit einem Schmunzeln.
2026 feiert das Unternehmen 55 Jahre Magenbrot-Produktion. Auf einen grossen Event hat die Arbeitgeberin bewusst verzichtet. Stattdessen stellte sie das Team in den Mittelpunkt und organisierte im Mai einen Jubiläumsausflug: «Ich wollte unseren Mitarbeitenden nach all den Umstellungen und dem intensiven Einsatz etwas zurückgeben.»

Den Blick richtet die Unternehmerin klar nach vorne: Das Geschäft mit den Firmenkunden soll weiter ausgebaut werden. Ein Mailing zum bevorstehenden Advents- und Weihnachtsgeschäft habe bereits eine sehr gute Resonanz verzeichnet. Auch bei der Produktentwicklung steht das Rad nicht still. Die neuste Kreation sind hausgemachte Zimtweggen, für deren Herstellung Synergien genutzt werden können: Sie werden auf derselben Anlage wie die Birnenweggen produziert.
Ebenfalls bald im Sortiment sind die sogenannten Glückssteine – eine eigene Interpretation des britischen Millionaire’s Shortbread. Das Gebäck besteht aus drei Schichten (Biskuit, Caramel und dunkler Schokolade), geprägt mit einem Mühlenstein-Motiv und verpackt mit einem Spielbrett in Schwarz und Weiss. «Biskuit können wir gut herstellen, und die bei der Rahmtäfeli-Produktion anfallenden Abschnitte lassen sich damit perfekt wiederverwerten», erklärt Céline Meyer. Verkauft wird die Spezialität gezielt über den Onlineshop sowie an Firmenkunden als Geschenk.
Und wie sieht die Zukunft aus? Ein flüssiges Magenbrot steht in den Startlöchern: Unter dem Namen «Üse Magenbrot-Schnaps» tüftelt der Betrieb derzeit an einem hauseigenen Edelbrand. Eine Idee, die schon lange in den Köpfen schlummerte und nun Realität wird.
Claudia Vernocchi
Fotos: Jürg Waldmeier
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