Aktuell finden schweizweit Info-Veranstaltungen zur Totalrevision in der Produktion Bäckerei-Confiserie statt. Diskussionspunkte sind unter anderem die Handlungskompetenzen, die Eckwerte der neuen Ausbildung und das Fachgespräch.
Während rund einer Stunde werden an den Info-Veranstaltungen ein Rückblick sowie die Eckwerte der neuen Ausbildung präsentiert. Die letzte Totalrevision trat 2011 in Kraft; seither wurden lediglich Teilanpassungen durch die Kommission für Berufsentwicklung und Qualität (B&Q) vorgenommen.
Fit für die Zukunft 2030 – 2045
2023 erfolgte eine breite Umfrage, um die Bedürfnisse der Branche abzuholen. Die Rückmeldungen ergaben ein klares Bild: Es braucht eine Totalrevision, was vom Zentralvorstand im Dezember 2023 gutgeheissen wurde. In der Zeit seit der letzten Revision hat sich viel geändert: neue Einkaufsgewohnheiten, weniger Betriebe und Lernende, schmalere Sortimente und vielfältigere Betriebsstrukturen. Jetzt gilt es einen Schritt weiterzugehen und sich fit für die Zukunft 2030 – 2045 zu machen.
Im Anschluss an die Information finden jeweils engagierte Diskussionen statt. Von den Teilnehmenden werden vor allem folgende Punkte angesprochen: der Wechsel von Fach- zu Handlungskompetenzen, Schwerpunkte anstelle von Fachrichtungen, Lehrgang anstelle von Zusatzlehre und das Fachgespräch als Bestandteil vom Qualifikationsverfahren (QV).
Fachrichtung versus Schwerpunkte
Die Arbeitsgruppe hat die Bildungsmodelle der Schweiz eingehend geprüft und sich für das Modell «Schwerpunkte mit Wahlpflichtkompetenzen» entschieden. Die Gruppe ist vom Mehrwert überzeugt und ist sich bewusst, dass damit die klassische Zusatzlehre wegfällt.
Lehrgang statt Zusatzlehre
Die Nachfrage nach Zusatzlehren ist stark sinkend. Ein Lehrgang kann berufsbegleitend absolviert werden und auf Wissen auf Vorrat lernen wird verzichtet. Dieses Lehrgangsangebot wird nun entwickelt. Dabei wird von den Teilnehmenden der Informationsveranstaltungen eine hohe Praxis-tauglichkeit gefordert, die den Anforderungen der Branche entspricht.
Aufbau auf Handlungskompetenzen
Die neue Ausbildung integriert Fachwissen mit Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz. Sie befähigt Lernende, Arbeitsaufgaben eigenständig zu bewältigen – ein Muss im Berufsalltag. Die Kompetenzen sind in Pflicht-, Schwerpunkt- und vier Wahlpflichtkompetenzen aufgeteilt, von denen der Betrieb zwei auswählen muss. Diese werden dann am QV geprüft.
Kritische Stimmen befürchten, dass Know-how verloren geht und das Niveau sinkt. Die Arbeitsgruppe betont jedoch, dass es bereits heute Wahlaufgaben im QV gibt. Mit der Neuregelung wird klarer ersichtlich, was geprüft wurde; die Kompetenzen sind ehrlicher. Wichtig ist zudem die Freude an der Ausbildung, nicht jedes Produkt muss zwingend für die Prüfung kreiert werden, sondern es soll geprüft werden, was im Berufsalltag gelebt wird.
Fachgespräch als Bestandteil vom QV
Neu wird auf eine schulische Abschlussprüfung der Berufskenntnisse verzichtet. Stattdessen wird die Erfahrungsnote erhöht und ein 45-minütiges Fachgespräch am Ende der praktischen Prüfung eingeführt. In den Diskussionen wird oft angemerkt, dass Kandidatinnen und Kandidaten zu diesem Zeitpunkt erschöpft seien. Die Arbeitsgruppe versteht dies aus heutiger Sicht. Die zwölf Stunden der praktischen Prüfung werden jedoch so neu gestaltet, dass vor dem Fachgespräch eine Pause möglich sein wird.
Weiteres Vorgehen
Wird die Revision am Kongress des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbands SBC angenommen, werden die Details ausgearbeitet. Ziel ist das Inkrafttreten der Verordnung am 1. Januar 2028. Von Mitte März bis Mitte April läuft die verbandsinterne Anhörung. Mitglieder können online Bildungsverordnung, Bildungsplan und Bildungsmodell einsehen und Feedback geben. Die Mitglieder sind aufgefordert, die Dokumente mit zukunftsgerichteten Augen zu lesen und bei der Umfrage mitzumachen.
Weitere Infos und Daten der Info-Veranstaltungen: richemont.link/infobc
Markus Zimmerli,
Vizedirektor Richemont Fachschule
Foto: Claudia Vernocchi