Der Wunsch, sich selbstständig zu machen, schlummerte schon länger in Daniela und Daniele Tatti. Nach mehreren Besichtigungen wurden die beiden im zürcherischen Bülach schliesslich fündig. Seit Mai führt das junge Unternehmerpaar die Klaus Genussmanufaktur.
Ihre Suche führte die Jungunternehmer durch die ganze Schweiz. Als sie die Confiserie in Bülach (ZH) zum ersten Mal betraten, wussten sie sofort: «Das ist es.» Lage, Grösse und Produkte überzeugten. An diesem heissen Sommervormittag ist die kleine Terrasse vor der Klaus Genussmanufaktur durchgehend besetzt. Kaffeetassen klirren, aus dem Laden dringt der Duft von frischem Gebäck. Dass der Kaffee wieder in Porzellan serviert wird, gehört zu den ersten Änderungen nach der Über-nahme. Die Kundschaft habe die Tassen vermisst, erzählen die beiden.
Qualität als Versprechen
Bewährtes soll bleiben: der Name ebenso wie die Hausspezialitäten, darunter Amaretti, ofenfrische Gipfeli und die Bsetzistei. «Klaus steht für Qualität. Diesen Standard hochzuhalten oder sogar noch zu erhöhen, ist unser Ziel», erklärt Daniele Tatti. Der gelernte Konditor-Confiseur schwärmt von den Klaus-Produkten. Frische und qualitativ gute Rohstoffe liegen beiden am Herzen. Wo immer möglich, kaufen die Inhaber regional ein. Food Save ist ihnen wichtig. Ein Beispiel: Sandwiches werden drei- bis viermal täglich in kleinen Mengen frisch hergestellt. So bleibt am Abend weniger übrig.
Zur Qualität gehört für das Inhaberpaar auch die Warenpräsentation. Die farbenfrohen Patisserien wirken auf den schwarzen Platten wie kleine Kunstwerke. Bevor der Laden öffnet, wirft der gebürtige Italiener, der in München (D) aufgewachsen ist, selbst einen Blick in die Vitrine. «Der erste Eindruck ist so wichtig», sagt er. Die Präsentation sei für ihn das i-Tüpfelchen.
Ebenso wollen die beiden den Einblick ins Handwerk ausbauen. Daniele Tatti leitete bereits vor der Übernahme nebenberuflich Kurse und schätzte den Kontakt zu den Teilnehmenden. Heute bieten sie in der Show-Confiserie sowohl öffentliche Kurse wie auch solche für private Gruppen an. Dabei können Interessierte selbst Hand anlegen. «So verstehen die Gäste, weshalb die Produkte ihren Preis haben», erzählt Daniela Tatti.
Schrittweise in die Verantwortung
Bereits seit Oktober arbeitet das Ehepaar im Betrieb mit – sie im Verkauf, er in der Produktion. Während eines halben Jahres führten die Vorbesitzer Jeanine und Mischa Klaus die beiden Schritt für Schritt in die Abläufe, Rezepturen und ihre künftige Verantwortung ein. Zunächst hätten sie «alles aufgesogen», erzählt Daniela Tatti. Erst später nahmen sie kleine Veränderungen vor.
Am 21. Mai folgte die offizielle Übergabe. Vor dem Geschäft stand ein Zelt, die Kundschaft wurde auf einem roten Teppich empfangen. Mischa Klaus zog seine Confiseurjacke aus und hängte sie an den Nagel. «Da habe ich zum ersten Mal gespürt: Das ist unser Ding», erinnert sich Daniele Tatti. Zugleich wurde den beiden neuen Inhabern die Verantwortung bewusst.

Das Team trug den Wechsel mit; alle Mitarbeitenden blieben. Eine grosse Stütze sind die beiden langjährigen Stellvertretungen Cornelia Hauenstein, Verkaufsleiterin, und Andreas Bucher, Produktionsleiter, auf die sich Tattis jederzeit verlassen können. Die Genussmanufaktur bildet wieder eine Lernende in der Produktion aus. Jeanine und Mischa Klaus stehen den Nachfolgern bis heute mit Rat und Tat zur Seite.
Die gelernte Köchin Daniela Tatti fand über den Service in den Verkauf und kümmert sich heute auch um Buchhaltung und Marketing. Ihr Ehemann ist für Personalfragen, Lieferantenkontakte und Organisation zuständig.
Mit den Wurzeln in die Zukunft
Eine zweite Filiale ist nicht geplant. Der Betrieb soll überschaubar bleiben, damit kurze Wege und der hohe Qualitätsstandard erhalten bleiben. Die beiden freuen sich darauf, erstmals alle Saisons in eigener Verantwortung zu erleben, neue Produkte zu entwickeln und Bewährtes weiterzuführen. Später möchten sie sich auch sozial engagieren und Menschen mit Beeinträchtigung einbinden – eine Herzensangelegenheit für beide.
Daniela und Daniele Tatti kennen sich seit 14 Jahren. Um sich zu verständigen, reiche oft ein Blick. Dass sie ihren Lebenstraum gemeinsam verwirklichen, gebe ihnen Rückhalt und neue Energie. Für die Branche wünschen sie sich Mut: «Wenn wir mit der Zeit gehen, haben wir eine Chance», sind sie überzeugt.
Elina Laich
Fotos: zvg Klaus Confiserie
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