Nicht mehr ganz einen Monat, dann starten die WorldSkills 2026 in Shanghai (CHN). Die beiden Schweizer Kandidatinnen, Gwenda Bösch (Bäckerei-Konditorei) und Regula Baschung (Konditorei-Confiserie) befinden sich mit ihren Coaches, Ramona Bolliger und Yves-Alain Braichet, im Endspurt. Wir haben nachgefragt, wie sie sich auf das Abenteuer ihres Lebens vorbereiten.

Die amtierende Schweizermeisterin in der Bäckerei-Konditorei, Gwenda Bösch, bereitet sich seit mehreren Monaten intensiv auf die WorldSkills in Shanghai (CHN) vor. Gecoacht wird sie von Ramona Bolliger, WorldSkills-Siegerin 2017 und Expertin.

Gwenda, wenn du deine aktuelle Gefühlslage wenige Wochen vor den WorldSkills in drei Worten beschreiben müsstest: Welche wären das?

Gwenda Bösch (GB): Meine Gefühlslage ist momentan sehr unterschiedlich. Manchmal läuft es sehr gut, dann habe ich natürlich sehr gute Laune. Es kann aber auch sein, dass einmal in einem Training gar nichts funktioniert, dann ist sie natürlich auch dementsprechend.

Ramona, was war dein erster Eindruck von Gwenda als Kandidatin – fachlich, aber auch menschlich?

Ramona Bolliger (RB): Eine aufgestellte junge Person. Fröhlich und motiviert. An den Schweizermeisterschaften, den SwissSkills, hat sich ihr fachliches Talent deutlich abgehoben. Ich war von ihrer Kreativität beeindruckt.

Gwenda Bösch, WorldSkills-Teilnehmerin Bäckerei-Konditorei und ihr Coach Ramona Bolliger, Abteilungsleiterin bei der Speck Genuss AG in Zug, sind ein eingespieltes Team.

Was hat sich seit deiner Qualifikation am meisten verändert – im Alltag, im Kopf oder im handwerklichen Arbeiten?

GB: Ich bin viel, viel offener geworden. Seit den SwissSkills nehme ich alles so, wie es kommt, und versuche, jeden Moment und jede Situation – egal ob gut oder schlecht – auszunutzen, daraus zu lernen und zu geniessen.

«Ich bin stolz, die Schweiz und unsere Branche zu vertreten.»

Gwenda Bösch

Du kennst die WorldSkills aus eigener Erfahrung. Wo hilft diese Gwenda am meisten?

RB: Die Erfahrung als Expertin hilft mir mehr als diejenige als Kandidatin. Dinge, die ich als Kandidatin als einfach empfunden habe, bereiten ihr vielleicht Schwierigkeiten und umgekehrt. Ich kann nicht von meiner Erfahrung universell auf jede Kandidat/innen-Erfahrung schliessen und muss individuell auf die jeweilige Kandidatin eingehen. Mir hilft die Erfahrung, die ich als Expertin in den letzten zwei Jahren sammeln durfte, weit mehr. Ich kann abschätzen, wie der Wettbewerb organisiert und bewertet werden wird und somit einen Trainingsfokus legen.

Bäckerei-Konditorei ist sehr vielfältig. Was liegt dir besonders, und wo musstest du am meisten dazulernen?

GB: Also dazulernen auf jeden Fall im Bereich Sauerteig, da wusste ich bisher sehr wenig. Im Richemont habe ich aber enorm viel dazugelernt und ich finde es ein äusserst spannendes Thema. Aber manchmal vermisse ich auch sehr das Arbeiten in der Konditorei. Ich habe in der Lehre immer sehr gerne Torten und Patisserie gemacht.

Was ist bei einer WorldSkills-Vorbereitung wichtiger: perfekte Produkte oder ein perfekter Ablauf?

RB: Da fast nur die Endprodukte bewertet werden und nicht der Arbeitsablauf ist sicher wichtiger, perfekte Produkte abzuliefern. Der Arbeitsablauf wird am Wettbewerb sowieso nochmals an die Umstände angepasst werden müssen. Es werden Hindernisse auftauchen, die wir jetzt noch nicht sehen und da kann man sich nicht an einen perfekten Ablauf klammern. Gwenda muss improvisationsfähig bleiben.

Woran merkst du im Training, dass Gwenda nicht nur fachlich, sondern auch mental Fortschritte macht?

RB: Daran, wie sie mit «negativen» Erfahrungen umgeht. Sei es mit misslungenen Produkten, mit Kritik oder fehlenden Informationen über die Wettkampfsaufgabe (Anm. d. Red.: Thema: Pferd). Sie bleibt aufgestellt und motiviert und behält ihr Ziel im Auge. Sie verliert nicht den Spass an der Sache und entwickelt sich und ihre Produkte immer weiter.

«Gwenda kann sich sehr gut auf eine neue Umgebung einstellen.»

Ramona Bolliger

Wie gehst du damit um, wenn ein Trainingstag nicht nach Wunsch läuft?

GB: Ich versuche, mich nicht zu fest runterziehen zu lassen und gebe mir das nächste Mal einfach mehr Mühe. Etwas anderes bleibt mir auch nicht wirklich übrig.

Was sagst du Gwenda an einem Tag, an dem gar nichts funktionieren will?

RB: Wir haben uns über diese Frage unterhalten und sie meinte, am besten sollte ich etwas Dummes oder Lustiges sagen, um die Stimmung aufzulockern und zu zeigen: Die Welt geht nicht unter wegen eines schlechten Trainings.

Was bedeutet es dir, die Schweiz und die Branche international zu vertreten?

GB: Das ist natürlich eine sehr grosse Ehre, die Schweiz und die Branche zu vertreten, andererseits aber natürlich auch ein grosser Druck. Ich bin aber sehr stolz darauf.

Welche Stärken von Gwenda könnten am Wettkampf besonders entscheidend sein?

RB: Ihr Improvisationstalent. Sie kann sich sehr gut auf eine neue Umgebung einstellen. Ihre Unbeschwertheit: Sie lässt sich nur schwer aus der Ruhe bringen.

Die Coaches dürfen während des Wettkampfs nur sehr eingeschränkt kommunizieren. Wie bereitet ihr euch darauf vor, dass Gwenda dann ganz auf sich allein gestellt ist?

GB: Wir machen kleinere Probewettkämpfe, welche die Situation recht gut darstellen und in welchen ich auch nicht mit Ramona eingeschränkt kommuniziere.
RB: Sie ist nicht davon abhängig, dass ich ihr Hilfestellung gebe. Alles, was sie am Wettkampf können muss, kann sie alleine.

Wenn du nach dem Wettkampf zurückblickst: Was müsste passieren, damit du sagen kannst, «ich bin stolz auf mich»?

GB: Dass ich nach dem Wettkampf von mir sagen kann: Ich habe immer mein Bestes gegeben und habe die Zeit der Vorbereitung und des Wettkampfes ausgenutzt, um so viel wie möglich zu lernen.

Was wünscht ihr euch voneinander für die letzten Wochen bis zum Wettkampf?

GB: Dass wir weiterhin ein gutes Team sind, tolle Trainings und Spass haben.
RB: Weiter so wie bis jetzt! Behalte diese positive Einstellung und die Freude am Training. Mir macht es sehr viel Spass, mit dir zu trainieren!

Regula Baschung gewann 2025 die Schweizermeisterschaften in der Konditorei-Confiserie. Auf ihrem Weg an die WorldSkills Shanghai kann sie auf ein ganzes Coaching-Team zählen: Lorenzo Catanzani, Paolo Loraschi (beide Al Porto / TI), Thomas Schwarzenberger (Schwarzenberger Chocolat / ZG), Franz Ziegler (Fachlehrer / AG), Ralf Wellauer und Headcoach Yves-Alain Braichet (beide Max Felchlin AG / SZ).

Regula Baschung, WorldSkills-Teilnehmerin Konditorei-Confiserie, und ihr Coach Yves-Alain Braichet bereiten sich gemeinsam intensiv auf den Wettbewerb vor.

Regula, die WorldSkills rücken näher. Was geht dir im Moment am häufigsten durch den Kopf?

Regula Baschung (RB): Momentan bin ich etwas unter Druck. Die Zeit vergeht für mich momentan viel zu schnell und manchmal habe ich das Gefühl, ich bin noch gar nicht bereit. Andererseits ist die Frage, ob sich überhaupt jemand bereit fühlen kann vor so einer Weltmeisterschaft.

Yves-Alain, was zeichnet Regula als Konditorin-Confiseurin besonders aus?

Yves-Alain Braichet (YAB): Ihre Leidenschaft für ihren Beruf und ihr Wunsch, die Dinge so perfekt wie möglich zu machen.

«Ich freue mich darauf, mit dem Schweizer Team zusammen in Shanghai anzukommen»

Regula Baschung

In der Konditorei-Confiserie geht es oft um Millimeter, Temperaturen und Timing. Was fordert dich derzeit am meisten?

RB: Mich fordert das Unwissen am meisten. Es gibt so eine breite Palette an Produkten, die in unserem Beruf vertreten sind; sei es Patisserie, Pralinés, Zuckerarbeiten, Schaustücke und alles davon in jeder Version könnte an den WorldSkills kommen. Am 11. August (Anm. d. Red.: Panda) erfahren wir das Thema und die Gewichtsvorgaben. Wir wissen auch erst dann, was für Produkte gefragt sind. Es kann schon sein, dass ich Glück habe. Es können aber auch Produkte kommen, die ich noch gar nicht kenne.

Wie findet man als Coach die Balance zwischen fachlicher Korrektur und Ermutigung?

YAB: Es ist nicht immer einfach. Man muss seine Kandidatin so weit wie möglich fördern und fordern, ohne sie dabei zu entmutigen. Meine Geduld bei solchen Herausforderungen hilft mir sehr dabei, das richtige Gleichgewicht zu finden.

Gibt es eine Technik, bei der du heute spürst: Da bin ich viel weiter als noch vor ein paar Monaten?

RB: Ja, tatsächlich einige. Da ich zuerst Bäcker-Konditorin gelernt und erst anschliessend die Ausbildung zur Confiseurin gemacht habe, hatte ich in der Fachrichtung Bäckerei-Konditorei deutlich mehr Erfahrung und handwerkliches Geschick. Deshalb sind einige Sachen ganz neu, wie zum Beispiel Zucker ziehen und blasen. Bei den Produkten, die ich oft übe, sehe ich schon Fortschritte, zum Beispiel beim Tortenglasieren oder beim Praliné schön dünn Ausgiessen.

Welche Fehler müssen im Training passieren, damit sie am Wettkampf nicht mehr vorkommen?

YAB: Am besten machen wir alle möglichen Fehler. So sind wir am Tag des Wettbewerbs auf jede Situation vorbereitet und wissen, wie wir reagieren müssen.

Woran erkennt ihr, dass ein Produkt nicht nur technisch korrekt, sondern wirklich «wettkampfreif» ist?

RB: Ein Produkt an den WorldSkills sollte vom Auge her sehr schön aussehen, also auch farblich perfekt, aber ebenso sehr stimmig sein im Geschmack. Am besten sollte es sehr modern aussehen, aber einen Geschmack haben, den man in vielen Ländern kennt. Zum Beispiel Himbeere.
YAB: Das Produkt muss innovativ sein, die Expertinnen und Experten überraschen und gleichzeitig technisch einwandfrei umgesetzt sein. Der Wow-Effekt muss auf jeden Fall vorhanden sein.

Was tust du, wenn Regula an einem Detail festhält, obwohl die Zeit im Wettkampf dagegensprechen würde?

YAB: Ich nehme mir die Zeit, ihr zu erklären, warum jedes Detail wichtig ist, und die anderen Mitglieder des Coaching-Teams machen es genauso. Regula profitiert vom Wettbewerbswissen und der Wettbewerbserfahrung aller, die sie auf ihrem Weg begleiten.

«Man muss seine Kandidatin so weit wie möglich fördern und fordern.»

Yves-Alain braichet

Konditorei-Confiserie lebt stark von Ästhetik. Wie viel Persönlichkeit von Regula darf und soll in den Produkten sichtbar sein?

RB: Mir wird grundsätzlich vieles vorgegeben, beispielsweise der Grundaufbau des Schaustücks oder Grundrezepte für gewisse Produkte. Trotzdem sind meine Coaches sehr offen für meine Inputs. Die Torten und die Pralinéform habe ich zum Beispiel selbst ausgewählt und die Geschmacksrichtungen auch. Meine Coaches unterstützen mich dann mit ihren Rezepten und Herstellungsarten.
YAB: Da der Wettbewerb auf einem von WorldSkills vorgegebenen Thema basiert, ist es oft schwierig, sich ganz nach den eigenen Vorstellungen und dem eigenen Geschmack zu richten. Trotzdem versuchen wir, so viele persönliche Elemente von Regula wie möglich einzubringen. Das ist für sie eine zusätzliche Motivation.

Welche Rolle spielt Geschmack in einem Wettbewerb, in dem man oft zuerst die Optik wahrnimmt?

RB: Ich würde sagen, das Aussehen, die Geschmacksrichtung und die richtige Konsistenz von Produkten aller Art sind gleichwertig. Wenn nur einer der drei genannten Punkte nicht passt, ist das ganze Produkt nicht stimmig. Man kann ein schönes Aussehen und eine top Geschmacksrichtung haben, aber wenn eine Füllung nicht perfekt verarbeitet wurde oder gar greniert, ist das Gesamte nicht mehr gleich gut geniessbar.

Was hilft dir mental, wenn der Anspruch an dich selbst sehr hoch wird?

RB: Im Allgemeinen hilft mir die Zusammenarbeit mit meiner Mentaltrainerin Daniela Blatty sehr. Mir hilft es sehr, in meiner Freizeit an etwas anderes zu denken und einmal komplett abschalten zu können. Atemübungen und ruhige Gespräche sind dabei inklusive.

Gwenda Boesch und Regula Baschung freuen sich auf das Abenteuer Shanghai.

YAB: Gesundheitsbewusster Genuss, wie zum Beispiel mit weniger Zucker, ist sicher etwas, das immer mehr kommt.

Was möchtest du Regula mitgeben, das über die WorldSkills hinaus für ihren Berufsweg wichtig bleibt?

YAB: Die Erfahrungen, die sie während dieses Abenteuers sammelt – beruflich wie auch persönlich. Sie soll den Moment geniessen und so viel wie möglich daraus für ihre weitere berufliche Laufbahn mitnehmen.

Worauf freust du dich am meisten?

RB: Ich freue mich sehr darauf, mit dem ganzen Schweizer Team zusammen in Shanghai anzukommen, im Wissen man ist nicht alleine und dass man sehr viel geleistet und hinter sich gelassen hat in der Vorbereitungs-zeit. Und alles, was danach kommt: der Wettbewerb, die Rangverkündigung, alle Events, die dort vor Ort geplant sind. Und am Schluss freue ich mich auf den Rückflug, wenn alles vorbei ist und wir wissen, wir haben es geschafft und in dieser Zeit Freunde fürs Leben gefunden.

Interview: Elina Laich
Fotos: Manu Friederich, Ruben Sprich, Stefan Wermuth


Die diesjährigen WorldSkills finden vom 22. bis 27. September in der chinesischen Metropole Shanghai statt. Junge Berufsleute aus aller Welt kämpfen in rund 60 verschiedenen Disziplinen um die begehrten Medaillen. Das SwissSkills National Team 2026 umfasst 42 Wettkämpfer und Wettkämpferinnen. Unsere Branche wird durch Gwenda Bösch (Bäckerei-Konditorei) und Regula Baschung (Konditorei-Confiserie) vertreten.
worldskills2026.com

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