Armut, die Abholzung von Regenwald sowie Kinderarbeit gehören zu den bekannten Schattenseiten der Schokolade. Weniger beachtet wird die Gesundheit der Kakaobauernfamilien. Dabei ist eine Investition in ihre Gesundheit auch eine Investition in die Produktivität der Kakaofarmen.
Für die Schweizer Schokoladenbranche ist Ghana das mit Abstand wichtigste Herkunftsland für Kakao. Im Jahr 2025 stammten 38 % der in die Schweiz importierten Kakaobohnen aus dem westafrikanischen Land. Noch immer sind Kinderarbeit, Entwaldung und Armut grosse Herausforderungen des Kakaosektors. Weniger beachtet wird, wie stark gesundheitliche Probleme die Bauernfamilien zusätzlich belasten Betroffene können nicht arbeiten. Bleibt eine frühzeitige Behandlung aus, kann sich der Gesundheitszustand verschlechtern – mit hohen Kosten für die Familien. Die gute Nachricht: Wer in bessere Lebensbedingungen für Kakaobauernfamilien investiert, kann auch bei anderen Herausforderungen Verbesserungen erzielen. «Gesundheit ist der einzige Hebel, der gleichzeitig auf Wohlergehen, Produktivität und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit wirkt», sagt Louisa Truss von Elucid, einem Sozialunternehmen, das für Schokoladenproduzenten Gesundheitsprojekte umsetzt.
MEDIZINISCHE HILFE IN GHANA
Für solche Projekte in verschiedenen Ursprungsländern des Kakaos arbeitet das Schwyzer Familienunternehmen Max Felchlin AG mit Elucid zusammen. Das Projekt «Akwaaba», welches mit der Unterstützung der Schweizer Plattform für Nachhaltigen Kakao im Süden Ghanas initiiert wurde, ermöglicht Bauernfamilien ärztliche Konsultationen, Medikamente und Labortests. In Ghana gehörten Malaria, Wurmerkrankungen, Eisenmangel und Bronchitis zu den häufigsten Diagnosen. Viele dieser Krankheiten sind zuvor oft unbehandelt geblieben, weil sich die betroffenen Familien die Behandlung nicht haben leisten können. Insbesondere Frauen und Kinder werden durch die verbesserte Gesundheitsversorgung entlastet: Wenn nötig erhalten die Bauernfamilien auch Zugang zu spezialisierten Eingriffen wie Operationen oder Kaiserschnitten. Wenn die Kosten rund um eine Geburt gedeckt sind, entlastet das die Familien finanziell. Ein wichtiger Effekt des Projekts ist deshalb auch die Prävention von Kinderarbeit, denn je grösser die Armut der Bauern und Bäuerinnen, desto höher ist das Risiko von Kinderarbeit.
DIE VERSORGUNG MIT KAKAO LANGFRISTIG SICHERN
Nachhaltiges Wirtschaften ist wichtig für die Confiserie-Branche. Die Konsumentinnen und Konsumenten interessieren sich heute stärker dafür, woher der Kakao für die Schokolade stammt und unter welchen Bedingungen er produziert wurde. Für Unternehmen in der Confiserie-Branche liegt eine Investition in die Gesundheit der Kakaobauernfamilien auch im eigenen Interesse: Gesunde Kakaobäuerinnen und -bauern sichern langfristig die Versorgung mit qualitativ hochwertigem Kakao, der für die Herstellung von Couverture notwendig ist. Gesundheitsprojekte stärken zudem die Loyalität der Bauern und Bäuerinnen und schaffen langfristige Partnerschaften.
Joël Frei
Joël Frei ist Kommunikationsbeauftragter der Schweizer Plattform für Nachhaltigen Kakao. Der Schweizerische Bäcker-Confiseurmeister-Verband SBC ist Mitglied der Kakaoplattform. Sie vernetzt Schokoladenunternehmen, den Bund, NGOs und die Forschung mit dem Ziel, die Nachhaltigkeit in der Schokoladenbranche zu fördern.