Die Berufswahl von Jugendlichen wird von einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren beeinflusst – auch vom Wohnort, wie eine aktuelle Datenauswertung der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung (EHB) zeigt. Grundlage dieser Auswertung sind alle Lehrverträge des Lehrjahres 2021/22.
Die Auswertung zeigt, dass grosse regionale Unterschiede im Ausbildungsangebot bestehen. Die Zahl der Lehrstellen hängt stark von der Anzahl Betriebe bzw. Erwerbstätiger ab und reicht von einzelnen Stellen in kleinen Gemeinden bis zu Tausenden in Städten wie Zürich. Gleichzeitig variiert die berufliche Struktur zwischen den Regionen, da gewisse Berufe (beispielsweise Seilbahnmechatroniker/-in oder Winzer/-in) oder gar Branchen (z.B. die Uhren- oder Pharmabranche) relativ ortsgebunden sind.
Hinzu kommt, dass die meisten Jugendlichen an den Wohnort ihrer Eltern gebunden sind, und sie können nur begrenzte Zeit für das Pendeln aufwenden. Daher wählen die meisten eine Lehrstelle, die in weniger als einer Stunde von ihrem Wohnort aus erreichbar ist.
Das Zusammenspiel dieser beiden Faktoren führt zu teils grossen Unterschieden im Zugang zu Lehrstellen – und zwar unabhängig von den Interessen und Fähigkeiten der Jugendlichen. So schwankt beispielsweise die Anzahl der in einer Stunde erreichbaren Berufe nach Wohngemeinde: Von Olten (SO) aus sind Lehrstellen in 227 Berufen erreichbar, von Riemenstalden (SZ) aus hingegen bloss zwei.
Für Ausbildungsbetriebe im Bäckerei-Confiserie-Gewerbe zeigt dies, wie wichtig eine gute regionale Sichtbarkeit bei der Rekrutierung von Lernenden ist.
Andreas Kuhn
Foto: Ben Zurbriggen
Andreas Kuhn ist Ökonom, Senior Researcher und Dozent an der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung EHB in Zollikofen (BE).
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