Kürzlich habe ich meinen Lernenden die sieben Regeln anhand unseres Verkaufstischs «Traditionelles Handwerk – Der Uhrmacher» erklärt. Dabei ploppte auch der veröffentlichte Bericht einer Zeitung auf. Die jüngere Generation könne die analoge Uhr nicht mehr lesen, was laut «Experten» nicht weiter tragisch sei. Einige Uhrmacher und ich sind da anderer Meinung. Das Lesen der analogen Uhr stärkt das mathematische Können, wie Bruchrechnen oder das Teilen eines Kreises. (Schneide einen Kuchen in sechs Teile, die Vorstellungskraft eines Zifferblattes lässt grüssen.)

Welchen Zweck erfüllt für mich primär die Uhr?

Pünktlichkeit ist für mich eine Frage von Respekt. Zeit ist das Einzige, das man nicht nachholen und nicht speichern kann. Wenn ich warte, verschenke ich etwas von meinem Leben, meinen Plänen, das mir niemand ersetzen kann.

Es geht mir nicht um fünf Minuten. Es geht um die Haltung dahinter. Wer immer wieder zu spät kommt, zeigt mir ungewollt: «Meine Zeit ist mir wichtiger als deine.» Und das fühlt sich – privat wie bei der Arbeit – einfach nicht gut an.

Wenn jemand zu spät kommt und dies kommuniziert, ist das korrekt. Doch bleibt eine Frage offen: Was bedeutet diese Verspätung für die anderen? Sei es im Verkauf, in der Produktion, bei Sitzungen, für wartende Referent/innen oder auch privat? Unschön ist es zudem, wenn die Person völlig entspannt erscheint, im Sinne: Hey, ja kein Stress, bin eh zu spät. Und das alles auf Kosten derjenigen, die da sind.

Lisa Frunz
Zentralvorstandsmitglied
Bereich Detailhandel

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