Das neue Jahr ist noch jung und darum ist jetzt der Moment, um die Themen zu beleuchten, die den SBC im 2026 beschäftigen werden. Präsident Silvan Hotz nimmt uns auf einen Ausblick mit.

Die Aussagen im Interview reichen von der Forderung nach sechs Wochen Ferien für Lernende über den Einsatz des Verbands gegen zu viel Regulierung bis zur Bekämpfung des anhaltenden Fachkräftemangels. Am Ende verrät Silvan Hotz uns, was er der Bäckerei-Confiserie-Branche mit auf den Weg geben würde, wenn er einen Wunsch frei hätte.

Zurzeit befinden wir uns im berühmten Januarloch – und verschiedene Bäckereien bieten ein gleichnamiges Brot an. Sind die Kundinnen und Kunden bereit, nach der üppigen Weihnachtszeit Geld für ein entsprechendes Spezialbrot auszugeben?
Silvan Hotz: Wir erschaffen über das ganze Jahr hochwertige Produkte, die den Konsumentinnen und Konsumenten Freude bereiten. Und gerade im Januarloch sollte sich die Kundschaft aus meiner Sicht mit einem frisch gebackenen und gesunden Brot etwas Gutes tun, wenn an anderen Ecken und Enden nach den Weihnachtseinkäufen vielleicht etwas auf das Portemonnaie geschaut werden muss (schmunzelt).

«Dem Verband ist bewusst, dass die Herausforderungen unablässig gross bleiben.»

Auch viele Betriebe stehen unter wirtschaftlichem Druck. Was empfiehlt ihnen der SBC, um im harten Wettbewerb bestehen zu können?
Dem Verband ist bewusst, dass die Herausforderungen unablässig gross bleiben. Als gelernter Bäcker-Konditor, Betriebsinhaber und Verbands-präsident bin ich überzeugt, dass unser Gewerbe dennoch Bestand haben wird – gerade, weil wir uns mit dem Qualitätsaspekt von den Discountern abheben und wenn wir auf Merkmale wie die Nachhaltigkeit und die Regionalität fokussieren. Dazu gibt es zahlreiche erfreuliche Beispiele in unserer Branche. Wir engagieren uns dafür, dass die Rahmenbedingungen für unsere Mitglieder so gut wie möglich sind.

Die Regulierungsdichte ist und bleibt hoch und fordert die Betriebe heraus. Wo sehen Sie den grössten Handlungsbedarf, und wie setzt sich der Verband für eine Entlastung ein?
In den Gesprächen mit der Verwaltung und der Politik weisen wir konsequent darauf hin, dass der administrative Aufwand für die Betriebe bereits hoch ist und in keinem Fall steigen darf. Was mir Sorge bereitet, ist der stetige Angriff auf unser bewährtes und erfolgreiches Modell der Sozialpartnerschaft. Kantonale und kommunale Mindestlöhne oder staatlich verordnete Ferien für Lernende sind nicht nur wirtschaftsschädlich, sondern bringen einen enormen administrativen Aufwand mit sich. In die gleiche Richtung gehen immer mehr Verbote, zum Beispiel Bestrebungen, die auf Werbeeinschränkungen für Kinder und Jugendliche abzielen. Wir vom Verband sind überzeugt, dass die Eigenverantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten wieder stärker in den Fokus gehört.

Letztes Jahr wurde im Parlament die Forderung nach sechs Wochen Ferien für Lernende diskutiert. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen einer solchen Regelung auf die Ausbildungsbetriebe – und auf die Attraktivität der Branche?
Dem SBC ist bewusst, dass sich das politische und gesellschaftliche Umfeld für ein solches Anliegen in den letzten Jahren geändert hat. Allem voran ist der Fachkräftemangel mittlerweile in aller Munde. Die Notwendigkeit der Stärkung des dualen Bildungssystems als Erfolgsmodell der Schweiz ist in den Fokus gerückt. Dennoch lehnen wir eine Erhöhung der Anzahl Ferienwochen in der Lehre, insbesondere pauschal, ab.

Zwei Gründe dafür sind, dass die dadurch resultierenden, zusätzlichen Abwesenheiten der Erreichung der Lehrziele in der Lehre hinderlich sind. Zudem ist ungeklärt, inwiefern Ferien ein ausschlaggebendes Kriterium für den Antritt einer bestimmten Lehre sind.

Wir entziehen uns dieser Diskussion jedoch nicht. Der SBC plädiert für Branchenlösungen, welche die Berücksichtigung von branchenspezifischen Anliegen zulassen. Eine Verankerung der sechs Wochen Ferien im GAV – ausgehandelt durch die Sozialpartner – würde im Gegensatz zu einer Anpassung des Obligationenrechts, wie es die Motionen fordern, beispielsweise zu einer praxisnahen Lösung führen.

«Der Prozess war intensiv, aber stets geprägt von unseren Werten: Zusammenarbeit, Loyalität, Fairness und Leistungswillen.»

Sie erwähnen den Fachkräftemangel als zentrale Herausforderung. Sind für das Jahr 2026 Ansätze oder Projekte geplant, um junge Menschen für die Berufe zu begeistern und langfristig zu binden?
In der Tat, wir setzen weiterhin auf unsere inhaltlich vielfältige und zielgruppengerechte Kampagne «Forme Deine Zukunft» zur Nachwuchsförderung. Diese wird fortgeführt. Ich rufe alle Betriebe, die das vielleicht noch nicht getan haben, dazu auf, sich via Website des SBC im Bereich «Nachwuchs» Material der Kampagne zum Auflegen im Laden zu bestellen und die Inhalte auf den sozialen Medien zu teilen. Auch in unserer politischen Arbeit nutzen wir jede Gelegenheit, die Berufsbildung zu stärken – oftmals mit verbündeten Verbänden.

Etwas weiter als nur auf die nächsten zwölf Monate geblickt wird bei der Strategie 2030 des Verbands. Diese hat der SBC in einem mehrstufigen Prozess erarbeitet und sie ist seit November 2025 in Kraft.
Wie haben Sie diesen Prozess erlebt?

Ich war beeindruckt vom Gestaltungswillen aller involvierten Personen, den Verband fit für die Zukunft zu machen. Bei der Erarbeitung der Vision und Mission wurde mir ein weiteres Mal klar, welche Breite und Vielfalt unser Verband hat. Der Prozess war intensiv, aber stets geprägt von unseren Werten: Zusammenarbeit, Loyalität, Fairness und Leistungswillen. Nun gilt es die verschiedenen Punkte auf operativer Ebene in Etappen umzusetzen.

Silvan Hotz (Mitte) beim Strategieprozess 2030 mit SBC-Direktor Urs Wellauer-Boschung (links) sowie Dominik Frei und Adrian Knobel (rechts).

Was versprechen Sie sich von der Strategie 2030?
Die Strategie ist im Alltag unser Referenzpunkt. Damit können wir die Branche als zukunftsweisenden, nachhaltigen und innovativen Wirtschafts-zweig stärken, die Zukunft der Branche aktiv mitgestalten sowie den Nachwuchs für unseren Beruf begeistern. Sie ist zudem die Leitlinie für die kommenden Verbandsjahre, die stark von personellen Veränderungen geprägt sein werden. Und sie umschreibt auch das Zusammenspiel zwischen Verband und Mitgliedern.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Bäckerei-Confiserie-Branche wünschen?
Mein Wunsch wäre, dass der Fachkräftemangel auf einen Schlag veschwinden würde und sich die Betriebe vor Bewerberinnen und Bewerbern kaum retten könnten. Da dies Wunschdenken bleibt und ein grundsätzliches, gesellschaftliches und demografisches Problem ist, bleiben wir optimistisch und zeigen – nebst der erwähnten Kampagne zur Nachwuchsförderung – die Möglichkeiten und Werte unseres Handwerks weiterhin gezielt auf, beispielsweise gegenüber Politik und Wirtschaft.

Und was wünschen Sie den Mitgliedern des Verbandes?
Ich wünsche jedem einzelnen von unseren Mitgliedern, dass er oder sie trotz den Herausforderungen, die sich uns stellen, zuversichtlich bleibt und die Freude an unserem wunderbaren Handwerk behält. Manchmal haben wir zudem mehr selbst in der Hand, als wir meinen: Schon ein herzliches Lächeln oder ein freundlicher «Schwatz» kann das Kundenerlebnis stark positiv beeinflussen, was sich direkt auf die Kundenbindung und damit auf lange Sicht auf die Verkaufszahlen auswirkt. Und ein Lächeln kostet nichts.

Interview: Pan

Fotos: Franzisca Ellenberger, Claudia Vernocchi

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