Wenn Berufsprüfungs-Kandidat/innen im Detailhandel ihre Marketingprojekte umsetzen, ist dies nicht nur für sie, sondern auch für die Betriebe wertvoll. Zentralvorstandsmitglied und Expertin Lisa Frunz hat für einmal die Seite gewechselt und ihre Mitarbeiterin während der Prüfungsphase begleitet. Sie zeigt in diesem Beitrag auf, wie aus viel Herzblut, Regionalität und Perfektionismus ein echter Markterfolg wird.

Die Ausbildung zur Branchenspezialistin im Verkauf ist für Kandidat/innen und Betriebe eine grosse Chance. Ein besonders anspruchsvoller Prüfungsteil ist die Planung und Durchführung eines Events. Die Absolvent/innen übernehmen dabei Verantwortung für ein Marketingprojekt – von der Idee über Planung und Umsetzung bis zur Auswertung. Gefordert sind Marktanalysen, Budget, Ziele, Strategien und ein zum Betrieb passender Aktivitätenplan. Anschliessend wird die Arbeit schriftlich festgehalten, analysiert und reflektiert. So zeigt sich, wie gut Nachwuchskräfte Marktverständnis, Kundennähe und unternehmerisches Denken praktisch umsetzen können.

Berufsprüfungs-Kandidat/innen Sarah Maurer setzte erfolgreich ihr Marketingprojekt um.

Eine neue Perspektive

Als Expertin der Berufsprüfung Detailhandel erlebe ich immer wieder, wie spannend und vielseitig diese Events umgesetzt werden. Dieses Jahr durfte ich ebenfalls die Gegenseite einnehmen und meine langjährige Mitarbeiterin Sarah Maurer als Kandidatin begleiten. Dadurch habe ich die Prüfung aus einer neuen Perspektive erlebt und noch deutlicher erkannt, wie anspruchsvoll, aber auch wertvoll dieser Teil der Berufsprüfung ist.

Die Herausforderung begann bereits bei der Themenwahl. Je nach Betrieb dürfen Kandidat/innen in Absprache mit Arbeitgeber und Berufsprüfungskommission das Thema selber wählen. Das ist nicht einfach, denn der Event muss zum Unternehmen und zu den Kundengruppen passen. Sarah entschied sich für das Thema Hofladen. Unsere Bedenken zerstreute sie mit ihrer Begeisterung, in unserem Betrieb stärker auf regionale Zutaten, Produkte und eigene Backmischungen zu setzen.

Die Vermarktung von eigene Backmischungen war Bestandteil des selbst gewählten Prüfungsthemas Hofladen.

Wir gaben den Schwerpunkt bewusst nicht vor, um Sarahs Begeisterung für die Umsetzung nicht zu schmälern. Gleichzeitig beschäftigten uns Fragen wie: Erreichen wir die gewünschte Zielgruppe? Ist der Aufwand realistisch? Lässt sich ein messbarer Nutzen für Betrieb und Positionierung erkennen?

Begeisterte Kundschaft

Nach der Themen-Zustimmung der Berufsprüfungskommission konnten die Vorbereitungen beginnen. Während sechs Monaten wurde geplant und umgesetzt. Diese Zeit war für uns alle arbeitsintensiv, aber sehr lehrreich. Alles war auf den Punkt vorbereitet, und die Spannung stieg: Wie reagiert unsere Kundschaft? Diese erschien zahlreich und zeigte sich begeistert von der neuen Produktelinie und dem Event. Die Inszenierung und der Riech-Wettbewerb – fünf typische Rohstoffe unseres Betriebes mussten bestimmt werden – führten zu vielen Begegnungen und wertvollen Rückmeldungen.

Thema selber wählen

Nach dem Anlass fragte ich Sarah nach ihren wichtigsten Erkenntnissen. Für sie war klar: frühzeitig konkret planen, den Zeitaufwand realistisch einschätzen, mit einem Zeitplan arbeiten und die Produktion rechtzeitig einbeziehen. Bei Schwierigkeiten solle man flexibel bleiben. Ebenso wichtig seien regelmässiger Austausch und die Unterstützung des Betriebs. «Wenn das Thema von einem selbst kommt, macht die Umsetzung viel mehr Freude», sagte Sarah. Wird der Event ausschliesslich vom Betrieb vorgegeben, könne hingegen viel Motivation verloren gehen.

Produktelinie «Aus der Region»

Gerade weil Sarah ihr Thema selbst wählen durfte, entstanden kreative Ideen und eine hohe persönliche Motivation. Unser vor ein paar Jahren neu gestaltetes Firmenlogo inspirierte sie zu Produktklebern für die regionale Linie.

Aktiv zur Seite stehen

Rückblickend hätte ich bereits am Anfang meine offenen Fragen stellen sollen. Allein die Beschaffung regionaler Zutaten, Rezeptanpassungen, Kalkulationen, Deklarationen und Mengenberechnungen waren zeitlich ein Riesenaufwand. Unsere Rolle ist nicht nur beratend; wir müssen mit unserer Erfahrung aktiv zur Seite stehen. Da Sarah sehr perfektionistisch ist, hätte ich sie bei Verpackungen, Farben, Schrift und Slogan stärker unterstützen können, wenn ich gesagt hätte: Es ist gut so, es passt.
Und wie es gepasst hatte!

Auch unsere Lernende Anina, die mittlerweile im zweiten Lehrjahr Detailhandel ist, setzte ihre Berufskenntnisse in einem passenden Werbefilm für den Event erfolgreich ein.
Werbefilm auf Facebook…»

Lisa Frunz, ZV Ressort Detailhandel
Fotos: ZVG / KI

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