Als Kind gab es zu Hause nicht viel, und gerade deshalb war Brot viel mehr als nur ein Nahrungsmittel – es war eine kleine gemeinsame Freude.

Der Morgen begann oft mit einem einfachen Frühstück: Brot, Butter und, wenn vorhanden, ein Hauch Marmelade. Nach der Schule, am Nachmittag, hatte das Zvieri ein ganz eigenes Ritual: Brot, Butter und Zucker. Eine Kombination, die heute überraschen mag, aber damals eine wahre Köstlichkeit war. Es gab noch keine abgepackte Zvieri, und vielleicht hatte gerade deshalb jeder Bissen einen authentischeren Geschmack.

Zu meinen lebhaftesten Erinnerungen gehören die Fleischbällchen (Polpette) meiner Mutter. Sie waren natürlich immer gut, aber am Sonntag hatten sie etwas Besonderes. Jahrelang habe ich mich gefragt, worin das Geheimnis dieses so offensichtlichen Unterschieds lag. Die Antwort war eigentlich ganz einfach: Unter der Woche wurde das Hackfleisch aus der Not heraus mit reichlich Brotkrumen «gestreckt». Sonntags hingegen war Festtag, und die Polpette waren wieder reichhaltiger und schmackhafter.

Heute hingegen genügt es, eine Bäckerei zu betreten, um eine überraschende Vielfalt vorzufinden: Weissbrot, Vollkornbrot, Roggenbrot, Mehrkornbrot, Baguette, Ciabatta und vieles mehr. Eine Auswahl, die in gewisser Weise an die Entscheidung erinnert, die man in einer Bar vor einem Kaffee trifft: Espresso, Lungo, Corto, Macchiato, entkoffeiniert, Corretto (Espresso mit Schnaps). Ein kleines tägliches Ritual, das die Zeiten widerspiegelt, in denen wir leben.

Und doch, trotz des Überflusses und der Vielfalt, bleibt das grundlegende Vergnügen an einer Scheibe Brot, begleitet von einer guten Salami oder einer weichen Mortadella, unverändert. Ob zum Frühstück, zum Mittagessen oder beim Aperitif – diese einfache Geste behält ihren zeitlosen Reiz.

Dann gibt es noch eine jüngere Erinnerung, die mit einer für alle schwierigen Zeit verbunden ist: die Jahre der Corona-Pandemie. In jenen Tagen voller Unsicherheiten und neuer Gewohnheiten habe ich gemeinsam mit meiner Frau die Freude am Brotbacken zu Hause wiederentdeckt. Brot backen ist im Grunde ein fast poetischer Akt: Es erfordert Engagement, gibt aber viel mehr zurück. Wenn es schliesslich aus dem Ofen kommt, mit goldbrauner, knuspriger Kruste und einer weichen, duftenden Krume, ergibt jede Mühe einen Sinn.

Francesco Markesch
Foto: zvg


Francesco Markesch ist ehemaliger Direktor der Standseilbahn San Salvatore in Paradiso (TI). Von 1990 bis 2022 war er Präsident von Riva Basket Femminile, dem Tessiner Frauen-Basketballverein.

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