Jörg Heierli, Bäcker-Konditor und Koch, wollte 2019 Afrika mit dem Fahrrad umrunden. Aufgrund von Corona musste er seine Reise aber vorzeitig abbrechen. Letzten Frühling setzte er sein Abenteuer fort – und beendete dies vor wenigen Wochen. Hier sein kurzer Abschlussbericht.
Eigentlich kenne ich es von meinen Afrikareisen nur so, dass Kaffee zwar angebaut wird, aber nur als Instantkaffee oder von der Oberschicht in den Städten getrunken wird. Wie auch Kakao wird er primär für den Handel angebaut, weshalb sich ein breiter Konsum nicht etablieren konnte. Nur in Ruanda habe ich es bisher gesehen, dass es überall Coffeeshops für die einheimische Mittelschicht gibt. Anders in Äthiopien, dem Ursprungsland. Auf wackeligen Plastikstühlen sitzend treffen sich die Leute im Dorf den ganzen Tag an den vielen Stellen, wo es Kaffee gibt – Männer und Frauen zumeist separiert – und geniessen die Gesellschaft. Oft kann man am gleichen Ort auch etwas essen. Zumeist ist es Njeera, eine Art Omelette aus gesäuertem Teff-Mehl, das als Basis für allerlei leckere Beilagen dient. Teff ist ein Getreide mit sehr kleinen Samen, das es nur in Äthiopien gibt.
Zubereitung und Genuss
Kaffee wird grün und ungerösteter gekauft und von den Frauen jeden Morgen über Holzkohle geröstet, zerstampft und frisch aufgebrüht. In kleine, henkellose Tassen gefüllt, bekommt man Zucker nach Wunsch – die Äthiopier mögen es sehr süss – und der Kaffee wird bis ganz an den Rand aufgefüllt. Manche rühren ihn anschliessend noch kurz mit einem Kraut um, meist einer Weinrautenart, manchmal auch einfach Rosmarin, um dem Kaffee eine zusätzliche Geschmacksnote zu geben.
Letzte Tage in Afrika
Für mich als Fahrradfahrer war das natürlich ideal. Ich konnte meinen Morgenkaffee geniessen und ganz einfach mit den Leuten ins Gespräch kommen. Manchmal wurde ich auch zum Essen eingeladen. So kam es, dass ich immer mal wieder spontan auf einen Kaffee anhielt und am Ende des Tages viel zu viel davon getrunken habe. Aber was soll’s. Es waren meine letzten Tage in Afrika, und der durchschnittliche Kaffee in Äthiopien ist besser als so mancher in der Schweiz. Und das will etwas heissen.
Nach 198 Tagen und 10 358 Kilometern, endete meine Reise in der Hauptstadt Addis Ababa –nein, niemand sagt Addis Abeba. Seit Anfang Dezember bin ich zu Hause und arbeite bereits wieder Vollzeit als Bäcker. Nebenbei verarbeite ich meine ganzen Bilder und Eindrücke, um Interessierte in meinen Vorträgen im Frühling mit auf meine Reise zu nehmen.
Ich freue mich auf euch.
Liebe Grüsse aus Zihlschlacht TG
Text und Foto Jörg Heierli