Schon mitten im Sommer beginnen die Bäckereien und Confiserien, sich Gedanken über ihre Weihnachtsdekoration zu machen. Denn eine gelungene Inszenierung wird nicht erst Ende November beschlossen: Sie wird Monate im Voraus vorbereitet, um das Schaufenster in eine echte Geschichte zu verwandeln und das Produkt optimal zur Geltung zu bringen.

Ein Weihnachtsbaum und ein paar Girlanden reichen nicht aus, um einen Kunden zum Träumen zu bringen, so golden sie auch sein mögen. Was den Blick fesselt, ist eine Geschichte.

Emotionen verkaufen, nicht nur ein Produkt

Eine Schachtel Pralinés, eine Bûche oder ein Adventskalender verkaufen sich ebenso sehr durch ihren Geschmack wie durch ihr Aussehen. Noch bevor sie die Türschwelle überschreiten, lassen sich Kund/innen von dem verführen, was sie im Schaufenster sehen. Eine als Geschichte inszenierte Dekoration mit einem verschneiten Dorf, einem funkelnden Wald und einer Elfenwerkstatt verwandelt einen einfachen Einkauf in einen besonderen Moment und schafft ein Erlebnis. Das Produkt wird zum Helden einer Geschichte, und das Schaufenster zur ersten Seite von dieser. Wohin führt die Reise für die Kundschaft also in diesem Jahr?

Eine Welt schaffen, keine Ansammlung

Die Versuchung ist gross, immer mehr Girlanden und Deko-Objekte anzubringen. Doch ein gelungener Schaufensteraufbau basiert auf einer klaren Idee: einem Thema, einer Farbpalette, einer Atmosphäre. Alles, was dieser Geschichte nicht dient, muss weggelassen werden – sogar das alte Plüschrentier, das man jedes Jahr aus Gewohnheit wieder hervorholt. Das Produkt steht im Mittelpunkt; die Dekoration hebt es hervor, ohne es jemals zu überlagern.

Einige Anhaltspunkte für die Gestaltung einer Weihnachtswelt:

  • Einen roten Faden wählen: Märchen, regionale Tradition, Reise, winterliche Natur
  • Eine Hierarchie mit Ebenen schaffen: Vordergrund für die Top-Produkte, Hintergrund für die Dekoration
  • Mit Höhen spielen: um den Blick auf eine Reise zu schicken.
  • Mit kleinen Akzenten für Abwechslung sorgen: Das Schaufenster Woche für Woche bis Weihnachten weiterzuentwickeln, weckt die Neugier.
  • Das Gesamterlebnis im Blick behalten: Das Dekor kann sich auf die Ausstellungsregale und Verpackungen erstrecken, immer im Einklang mit dem gewählten Thema.
Cindy Guerreiro Fernandes, Ausbildungsleiterin für den Verkauf an der Richemont Fachschule in Yverdon-les-Bains


Produktion und Verkauf Hand in Hand

Ein schönes Schaufenster entsteht nicht einfach an einem Novemberabend in einer Ecke des Ladens. Es entsteht gemeinsam: Die Entwicklungsabteilung entwirft Kreationen, die das Thema widerspiegeln, der Verkauf findet die richtigen Worte und Farben, um sie zu präsentieren, und das gesamte Team macht sich die Geschichte zu eigen, bevor sie den Kund/innen erzählt wird. Sich bereits im Sommer vorzubereiten, vermeidet die Hektik im Dezember und improvisierte Dekorationen zwischen zwei Backrunden.
Wer im Verkauf an der Gestaltung mitgewirkt hat, kennt jedes Detail der Dekoration und kann an der Theke mit Stolz davon erzählen. Die Geschichte endet nicht am Schaufenster: Sie setzt sich im Gespräch fort.

Ein Erlebnis, das sich nicht nachahmen lässt

Ein Dekor lässt sich im Supermarkt kaufen. Eine Geschichte, die von einem eingespielten Team – von der Backstube bis zur Kasse – mit Überzeugung erzählt wird, lässt sich nicht nachahmen. Genau darin liegt der Unterschied zur Konkurrenz.

Eine Investition, die sich im durchschnittlichen Warenkorb bemerkbar macht

Ein Schaufenster, das eine Geschichte erzählt, zieht nicht nur den Blick auf sich: Es hält Kund/innen fest, regt sie dazu an, hereinzukommen, zu stöbern und sich von einem Produkt verführen zu lassen, das sie eigentlich gar nicht gesucht haben. In einer so wettbewerbsintensiven Zeit wie der Weihnachtszeit wird die Inszenierung zu einem echten Verkaufsinstrument. Auf Emotionen und Kohärenz zu setzen bedeutet, den Kund/innen weit mehr als nur ein Gebäck anzubieten: ein Stück Weihnachtszauber.

Cindy Guerreiro Fernandes,
école professionnelle Richemont, Yverdon-les-Bains (VD)
Fotos: zvg / panissimo

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